Wetterchronik 1976

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3. Januar

Sturmflut eingetragen von Mark am 27. September 2001

Sturm mit Böen der Stärke 13
Wasserstand mehr als drei Meter über Normal- Katastrophenschutz alarmiert

Die höchste Sturmflut seit der Katastrophe im Februar 1962 rannte Sonnabendabend gegen die
Deiche Bremerhavens. Das Hochwasser blieb nur 32 Zentimeter unter dem Pegelstand vor
vierzehn Jahren, als die Wellen zwischen Geestemole und Weddewarden über die Deiche
schlugen. Doch von einer Katastrophe war Bremerhaven diesmal weiter entfernt, als das durch
32 Zentimeter zum Ausdruck käme. Die Deiche und die Spundwände in den Häfen wurden in
den vergangenen zehn Jahren 80 bis 120 Zentimeter erhöht und zu einem perfekten
Verteidigungssystem gegen Sturmfluten ausgebaut. Zu Überschwemmungen kam es lediglich im
Geestevorhafen und an der Columbuskaje. Wegen der Gefahr wurde der Katastrophenschutz
alarmiert.
Die Wetterwarten hatten am Freitagabend "sehr böige westliche Winde" angekündigt, aus
denen die Küstenbewohner allerdings eigene Rückschlüsse ziehen mussten. Es gab keinen
amtlichen Hinweis darauf, dass diese Böen in Verbindung mit dem Neumond zu gefährlichen
Springfluten führen könnten. Das Deutsche Hydrographische Institut, das schon 1962 einen
Tag zuvor keine konkrete Warnung geben konnte, informierte das Wasser- und Schiffahrtsamt
Bremerhaven nur wenige Stunden vor der Katastrophe um 7.50 Uhr mit einem Telegramm, das
dann sehr exakt den zu erwartenden Wasserstand um 3 bis 3,5 Meter über Normal voraussagte.

Starke Böe um 5.07 Uhr
Im Gegensatz zu der Katastrophe 1962 kam diesmal der Sturm nicht aus der gefürchteten
Nordwestecke, sondern aus West. Die stärkste Böe fiel um 5.07 Uhr aus Westen mit 120
Stundenkilometer in Bremerhaven ein, das entspricht Windstärke 13. Der Orkan, der aus
Westen kam, konnte die Wassermassen nicht so hoch in der Wesermündung auftürmen. Wäre
die Zugrichtung nordwestlich gewesen, hätte der Orkan mit einem langen Anlauf die Flut noch
stärker in den Trichter der Wesermündung gedrückt.
Das Niedrigwasser hätte am Sonnabend vor Bremerhaven um 8.56 Uhr eintreten müssen. Unter
dem Einfluss der westlichen Orkanböen lief die Flut jedoch schon seit 6.30 Uhr auf. Sie hatte
mithin zweieinhalb Stunden länger Zeit, die Wassermassen aufzustauen.
So kam es, dass um 8.56 Uhr, dem Zeitpunkt des theoretischen Niedrig-
wassers, der Pegel bereits drei Meter über Normal anzeigte. Darauf ließ das Hansestadt
Bremische Amt das Sturmflutsperrwerk schließen und begann mit der Alarmierung des
Deichsicherungsdienstes.
Gleichzeitig ging die Order aus, keine Schleusen mehr zu öffnen. Das letzte Fahrzeug, das die
Doppelschleuse passieren konnte, war der Feuerlösch-
kreuzer "Weser". Die Feuerwehr wollte ihn nicht im Fischereihafen eingeschlossen haben. So
verholte er in den Geestevorhafen. Doch dort gab es schon keine Liegeplätze mehr. Der
Löschkreuzer fand im Vorhafen der Kaiserschleuse einen Platz. Als dann jedoch die Brecher
anrollten, musste er Bremerhaven ganz verlassen und an der Midgardpier in Nordenham Schutz
suchen.


Quellen:

Nordsee-Zeitung vom 5. Januar 1976









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