Wetterchronik 1979

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6. November

15 Verletzte durch Windhose in Cloppenburg eingetragen von Stefan aus Emstek am 24. September 2001

Windhose in Cloppenburg

Eine Windhose hat am 6. November 1979 den Süden von Cloppenburg heimgesucht und an etwa 130 Wohnhäusern, Fabrikhallen und Stallungen schwere Schäden in Millionenhöhe angerichtet.
Innerhalb weniger Minuten spielte sich die Naturkatastrophe ab: Der Wirbelsturm deckte die Häuser ab, Giebel stürzten ein, Lastwagen kippten um, Bäume entwurzelten. 15 Einwohner wurden dabei verletzt. Eine 300 bis 400 Meter breite verwüstete Schneise blieb zurück, als sich die Windhose, so schnell wie sie hereingebrochen war, verflüchtigte.


Millionenschäden durch Wirbelsturm in Cloppenburg

Eine Windhose, die am 6. November 1979 gegen 13:10 Uhr mit rasender Geschwindigkeit aus nordwestlicher in südöstlicher Richtung in einer Breite zwischen 300 und 400 Metern über Cloppenburg zog, hat nach Mitteilung der Polizei rund 130 Häuser mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen und mehrere Millionen Mark Schaden angerichtet.
Der Wirbelsturm, Folge eines schweren Gewitters, das um diese Zeit mit heftigen Regenfällen und Böen niederging, schlug eine verheerende Schneise von der Umgehungsstraße über die Molberger Straße in Richtung Fritz-Reuter-Straße und erreichte in Sekundenschnelle das Gebiet um den Cappelner Damm. Danach hatte er sich offenbar ausgetobt.
Der plötzlich mit großer Gewalt aufbrechende Orkan entwurzelte Baumriesen, walzte (leichte) Werkshallen platt, machte Garagen dem Erdboden gleich und riss Lastwagen sowie Baubuden um. Vor dem Unwetter in eine Baubude geflüchtete Arbeiter kamen nach eigenen Angaben nur deshalb mit dem Schrecken davon, weil das provisorische Gebäude von den Leitplanken vor einem Sturz die Böschung hinunter bewahrt wurde. Dennoch gab es Verletzte: Zwei Personen wurden von umherfliegenden Gegenständen getroffen und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.
Vor allem in der Molberger Straße standen die Menschen ratlos der Urgewalt gegenüber. Hier wie auch am Cappelner Damm, wo der Wirbelsturm nicht nur seine Gewaltspuren auf einem Bauhof hinterließ, sondern auch Hochspannungsleitungen anriß, sicherte die Polizei, die unter der Leitung von Kommissar Günter Fangmann einen eigenen Einsatzstab gebildet hatte, das Geschehen. Unterstützt wurde sie vom Hubschrauber „Phönix 21“ aus Oldenburg, der mehrfach über dem bedrohten Gebiet seine Kreise zog. Weiter waren Technisches Hilfswerk und Feuerwehr vor Ort, doch bewährte sich einmal mehr gegenseitige (Nachbarschafts-) Hilfe.
Bis die Schäden beseitigt sind, werden einige Tage vergehen. Man wird lange zurückdenken müssen, um ein Unwetter ähnlichen Ausmaßes auszumachen, abgesehen einmal vom November-Orkan im Jahre 1972. Zwar sind Gewitter solcher Heftigkeit zu dieser Jahreszeit in diesen Regionen selten, doch nach Mitteilung des Wetteramtes Bremen „auch nichts Ungewöhnliches“. Da die Windhose derartige verheerende Schäden anrichtete, muss sie etwa mit Windstärke 12 über Cloppenburg gerast sein, sei diese doch, so das Wetteramt weiter, „typisch für Schäden in dieser Höhe“.
Bei ganz starken Gewittern bilden sich nach Auskunft besagten Wetteramtes, das übrigens gegen 16:00 Uhr noch nichts von der Windhose wusste, lokale Zirkulationen, weil Kalt- und Warmluftzonen aufeinanderstießen, wobei die kalte Luft mit Macht nach unten drängt. In Lingen –hier befindet sich die nächste Beobachtungsstation, die allerdings auch das „überraschende Chaos“ –so ein Betroffener- nicht ausgemacht hatte, gab es gegen 15:00 Uhr eine Spitzenböe mit Windstärke zehn. „Schwere Schauer, Blitz und Donner“ wurden auch in weiten Teilen Niedersachsens ausgemacht.


Schwer betroffen war vor allem die Molberger Straße, in der reihenweise Häuser ihre Dachziegel verloren. Schäden an Fahrzeugen und Bauwerken gab es überall. Entwurzelte Bäume gehörten fast „zur Tagesordnung“. Den höchsten Schaden gab es voraussichtlich für eine Baufirma in der Nähe von Hemmelsbühren: Hier kippte auch ein Kran um.


„Kleine Vettern“ der Tornados

Die Windhose über Cloppenburg verbreitete Angst und Schrecken – Eindrücke vor Ort

„Raus, raus hier!“ rief am Dienstag um 13:10 Uhr die Frau des Cloppenburger Malermeisters Wilhelm Lohmann (68) in der Löninger Straße 18. Während die drei Angestellten des Malergeschäftes aus der Garage des Handwerksmeisters stolperten, stürzte Frau Lohmann in einen Haufen splitternden Fensterglases, das zuvor aufrecht stehend in der Garage gelagert hatte. Im selben Moment hob sich über ihr mit Ächzen der Blechschuppen aus den festen Metallankern und krachte nach kurzem Flug 20 Meter entfernt in den Garten des Lohmannschen Anwesens. Zwei Schaufensterscheiben des Geschäftes gingen zu Bruch, und die Lichtreklame flog von der Vorderfront in alle Winde.

Elfriede Macke (56) in der Sevelter Straße 82 glaubte in diesem Moment, eine Bombe sei gefallen. „Das ganze Haus hat gewackelt, und Ziegel flogen herum“, berichtete die Inhaberin eines Friseurgeschäftes am Dienstagabend. Im Dach ihres Hauses klafften große Lücken, durch die man in die Zimmer ihres 30 jährigen Sohnes und ihrer 17 Jahre alten Tochter im ausgebauten Dachgeschoß blicken konnte, wie in eine Puppenstube.
Doch eine Bombe – wie viele Menschen in der Sevelter Straße und in anderen Straßen Cloppenburgs im ersten Schreck glaubten – war es nicht, die in Sekunden 130 Wohnhäuser zum Teil oder ganz abdeckte und Bäume wie Streichhölzer knickte: Eine Windhose war aus einer Gewitterwolke zur Erde gewachsen und hatte in Windeseile „Kleinholz“ gemacht.
„Erst Sonne, dann plötzlich Donner und Dunkelheit und in der Minute darauf starker Hagelschlag – und dann flogen überall Dachziegel und Mülleimer.“ So beschreibt ein Augenzeuge die ungewöhnliche Wettererscheinung.

Quellen:

Münsterländische Tageszeitung, Cloppenburg
vom 07.11.1979 und 08.11.1979









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