Wetterchronik 1912

Infos Neuer Eintrag Übersicht

12. Mai

Windhose zerstört Sehlis eingetragen von Mark am 21. September 2001

Aus
heutiger Sicht mag im Rückblick auf das vergangenen Jahrhundert die entfesselte Naturgewalt der Windhose vom 12.
Mai 1912 mit ihren schweren Schäden in Sehlis wie eine Vorwegnahme der Zerstörung dörflichen Lebens im 20.
Jahrhundert erscheinen. In der Chronik von Sehlis ist überliefert:
"Am Sonntag, den 12. Mai 1912 war es in allen sächsischen Landesteilen, vor allem in Leipzig, sehr schwül. Am
Abend gegen 20 Uhr entluden sich schwere Gewitter in Leipzigs Umgebung. Gegen 22.45 Uhr entluden sich
Hagelschauer und anhaltender Regen setzt ein. Bald danach fuhr eine Windhose durchs Leipziger Land, (Windhose =
Wirbelsturm) die vor allem die Gegend um den heiteren Blick, Taucha, Plösitz und Sehlis bis Püchau verheerte...
In den damaligen Rittergutswaldungen von Püchau wurden annähernd 20.000 Festmeter Holz umgebrochen, darunter
Eichen von 80 cm Durchmesser. Am schlimmsten aber sah es in unserem Heimatort Sehlis aus. In der Nacht gegen
23.15 Uhr erhob sich ein heftiger Sturm, der unser Dorf innerhalb weniger Minuten in einen Trümmerhaufen
verwandelte. Kein Haus, kein Dach blieb damals unversehrt. Auch die Gehöfte wurden durchweg beschädigt, ein Dach
z.B. wurde über ein anderes getragen. Die Hälfte der Häuser war dächerlos. Besonders traf der Sturm unsere Kirche.
Sie war abgedeckt und teilweise in ihren Grundfesten beschädigt. Die Kirchhofsmauer war umgelegt. Viele Grabmäler
waren zerstört. Aus der neuerbauten Schule war eine Wand herausgedrückt und der damalige Leiter Voigt konnte von
Glück sagen, daß er nicht im Bett in den Hof fiel. Erst nach dem Sturm sah man im grellen Licht der Blitze die
Zerstörungen. Die Kunde von dem großen Unglück verbreitete sich sehr schnell. Schon am Montagnachmittag
besichtigten der Kreishauptmann und der Amtshauptmann das zerstörte Dorf. Am nachfolgenden Donnerstag
(Himmelfahrt) erreichte die Schar der Menschen, die sich das Bild der Zerstörung ansahen, ihren Höhepunkt. Es
mögen an die 50.000 - 60.000 Menschen damals in Sehlis gewesen sein. Die Fuhrwerke standen z.B. bis zum
Eingang von Dewitz. Auch König Friedrich August besah sich am 18. Mai die vom Sturm heimgesuchten Ortschaften.
Beim Anblick der Schule soll er gesagt haben:
"Na, da habter aber mal Schwein gehabt! Bei eich tut de Hilfe am meisten not!"
Der Rat der Stadt Leipzig bewilligte 1000 RM Unterstützung, außerdem noch eine Summe für die Kirche. Der Staat
bezahlte 100.000 RM, rund 40.000 RM kamen durch Sammlungen ein.

Quellen:

750 Jahre Sehlis
http://www.taucha.de/taucha-info/amtsblatt/amtsblatt0900.htm









Passwort

Hosting: www.wetterzentrale.de, Programmierung: Mark Vornhusen