Wetterchronik 1975

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Winter 1974/1975

Ende Oktober viel Schnee, milder Hochwinter, weiße Ostern eingetragen von Andy Bayerwald am 14. August 2001

Der Winter 1974/75 begann im Bayerischen Wald schon am 22. Oktober, Die Zeitung "Bayerwald-Echo" schreibt am Donnerstag, den 24. Oktober:
Früher Winter kam mit Sturm, Schneepflüge stehen bereit.

Ein böiger Wind mit bis zu 80, auf der zugspitze bis zu 150 km/h brauste gestern durch das Land. Die Schneefallgrenze schwankt weiterhin um 700 m Im Bayerischen Wald schneit es seit Dienstag mittag ununterbrochen, auch das Allgäu meldet Neuschnee.
Im Bayerischen Wald herrscht seit gestern tiefster Winter. Andauernde Schneefälle, die zeitweise von heftigen Windböen begleitet waren, ließen den Verkehr an zahlreichen kritischen Stellen zusammenbrechen. Im Schneeloch des unteren Waldes, in Finsterau, mußten Räumkollonen tw. mit Schneeverwehungen ankämpfen, die eine Höhe von 1,50 m erreichten. Der Ort Waldhäuser im Nationalpark meldete 60 cm Neuschnee. Auf glatten Fahrbahnen hängengebliebene Lastzüge blockierten immer wieder die Ruselbergstrecke im Landkreis Deggendorf und die Staatsstraße Freyung-Schönberg bei der Elsenthaler Leite.
Der Wetterbericht vom 24. Oktober aus der Bayerwald-Echo:
Das mitteleuropäische Tief füllt sich unter Südverlagerung langsam auf. Die an seiner westlichen Seite nachfließenden Kaltluftmassen kommen kurzzeitig unter leichtem Zwischenhocheinfluss. Damit stellt sich jedoch keine beständige Lage ein, da im weiterem Verlaif neue Störungen auf Mitteleuropa zustreben. Höchstwerte 5-10, in den Mittelgebirgen um 0, Nachts stellenweise leichter Frost.
Weitere Aussichten: Unbeständig, Kühl

Anmerkung:
Auch auf meinem Hausberg, dem Haidstein, lagen an diesen Tagen rund 15 cm Schnee.

das folgende Wetter wendete sich aber wieder zum milderen, besonders mild war der Dezember. wie folgender Artikel aus der Bayerwald-Echo vom 15. Januar belegt:

"Frühling im Hochwinter hilft sparen und kostet Geld"

Mittelmeer-Feriengebiete locken im Winter: "Vergessen Sie die Kälte, kommen Sie zu uns"
Man mußte heuer gar nicht so weit fahren, denn auch in unserem Vorwald stieg das Thermometer mittags bis 20C, So meldete Falkenstein (600 m) Mitte Dezember 19 C. Der Skilift war nur einmal im Monat Dezember in Betrieb. Des einen Freud, des anderen Leid: Die Stadt Roding sparte 20 000 DM Winterdienstkosten.

Nun folgt ein Bericht des damaligen Wetterbeobachters Anton Schramm aus Cham, der Anfang März 1975 in der Bayerwald-Echo erschien:

Nach grünen Weihnachten und einem zu mildem Januar änderte sich Anfang Februar nach einer 10 Wochen anhaltenden Westwetterlage die Großwetterlage entscheidend. Es entstand ein sehr kräftig entwickeltes Hochdruckgebiet. Der Februar war aber immer noch zu mild, die Temperaturen lagen 1,9 über den Durchschnitt. Die Temperaturen waren sozusagen hausgemacht und entstanden durch nächtliche Ausstrahlung und Tageserwärmung durch die Sonne. An 22 Tagen kam es zu Frost, (normal 23), der sich aber mit einem Minimum von -8C in mäßigen Grenzen hielt.Die Eisbildung beschränkte sich auf stehende Gewässer. Die Tagesmittel lagen zwischen minus 2,6 C am 17. und plus 5,4 C am 2. Februar. Die Sonnenscheindauer war mit 164 Std. bei einem Durchschnitt von 77 Std rekordverdächtig. Der Niederschlag kam zu kurz, den ganzen Monat fielen nur 13 mm, den Bergen blieb ein Neuschneezuwachs versagt.
Ende des Monats blühten schon Huflattich, Korenlinse und Krokus, und die Hasel stäubte.

Nun der Spätwinter, auch ein Bericht von Anton Schramm aus Cham:

Das Hoch über Südeuropa brachte den beginnenden Frühling glänzende Startbedingungen. Die Tagestemperaturen stiegen teils beträchtlich über 10 an, so daß die Tagesmittel um 3 über den langjährigen Durchschnittswerten lagen. Um die Monatsmitte des März bahnte sich erneut eine Änderung der Großwetterlage an. Es bewahrheitete sich der Spruch: "Wenn der März als Schaf kommt. dann geht er als Wolf" Im Mittelmeer belebte sich die Tiefdrucktätigkeit, während gleichzeitig das Grönlandhoch einen Keil nach Süden ausbreitete. So konnte sich polare Luft aus dem hohen Norden auf dem Weg nach Mitteleuropa machen. Dem Winter war noch einmal Tür und Tor geöffnet. Frost und Schnee beherrschten das letzte Monatsdrittel.
Trotzden schloß der März mit einem Wärmeüberschuß von 0,8 Grad ab. Die Temp schwankte absolut zwischen 14,8 Grad am 9. und minus 5,3 Grad am 24. März. 15 mal (normal 18) im Monat sank die Temperatur nochmal unter dem Gefrierpunkt. An drei Tagen lag das Tagesmittel unter null Grad (Wintertag), zu einem Eistag (Dauerfrost) reichte es im im Gegensatz zu den höheren Lagen im Bereich Cham aber nicht mehr.
Bei einer Niederschlagssumme von 35 mm blieb der März 14 mm schuldig. Die Niederschläge, die großteils noch als Schnee niedergingen, verteilten sich auf 17 Tage, (normal 14) Die größte Menge mit 7,9 mm brachte ein 24stündiger Schneefall an den Osterfeiertagen, es bildete sich eine 6 cm hohe Schneedecke, im Umland auf 500 m (Runding) betrug die Schneedecke 15 cm. Beträchtlich war der Schneezuwachs in den Bergen des Bayerwaldes, wo die Schneehöhe zum Monatsende 160 cm betrug.




Quellen:

Ausgaben der Bayerwald-Echo aus den Jahren 1974 und 1975, insbesondere Beiträge vom ehemaligen Chamer Wetterbeobachter Anton Schramm +










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