Wetterchronik 1901

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3. August

Schweres Hochwasser in der Fränkischen Schweiz August 1901 eingetragen von Pit/Kulmbach am 13. Juli 2001

Nankendorf, 03.08.1901 (Jahrhunderthochwasser)

Vergangenen Donnerstag nachts halbzwei Uhr traf mit noch nie dagewesener Schnelligkeit Hochwasser ein, das so rapid stieg,
daß gar nicht daran zu denken war etwas zu retten. Viel Brenn- und Bauholz, Gerste, Bierfässer etc. ist vom Wasser
mitgenommen worden. Nur durch einen Zufall konnte der Brauereibesitzer Polster seine Pferde retten, da der Eingang zur
Stallthüre nicht mehr möglich war. In Scheune und Schweinestall war das Wasser über einen Meter hoch und sind die
untergebrachten Schweine nur dadurch gerettet worden, daß der Futterbarren und das Holzwerk losgerissen wurden, auf
welchen sie Schutz hatten, resp. ihre Köpfe über Wasser halten konnten. Drei Schweine des Kunstmühlbesitzers Sebald sind
durch das Wasser geschwommen und liefen in den Wald. Einige derselben haben sich auf einer kleinen Erhöhung mitten im
Wasser gehalten bis dasselbe wieder abgelaufen war. Die steinerne Distriktbrücke unterhalb Plankenfels ist durch die
heranbrausenden Hölzer zerstört worden und größtentheils eingestürzt. Wir entbehren dadurch einer direkten Verbindung mit
Bayreuth und Hollfeld. Der hierorts verursachte Schaden ist ein enormer.

Fränkische Schweiz, 03.08.1901 (Jahrhunderthochwasser)

Vorgestern nachmittags gegen halb sieben Uhr entlud sich über Tröbersdorf und Umgebung ein fürchterliches Gewitter, die
eingetretene förmliche Finsternis ließ die Schwere desselben erkennen. Blitz auf Blitz, gewaltiger Donner und nieder prasselte
ein Wolkenbruch. In Tröbersdorf schlug der Blitz in die Stallung des Oekonom Johann Bauer und tötete einen Stier, eine Kuh
und ein Kalb. Ein Maurer, welcher eben im Stalle beschäftigt war, wurde auf der einen Seite gelähmt. In Forst bei Eckersdorf
wurde die Dienstmagd Maria Jost des Bauern Engelbrecht im Wohnzimmer ihrer Dienstherrschaft in Gegenwart aller
Familienangehörigen durch einen Blitzstrahl getötet. Der Schaden, den das Wasser an Feldern, Wiesen, Straßen und Stegen
und auch an Gebäuden verursachte, ist ein unberechenbarer.

Gößweinstein, 04.08.1901 (Jahrhunderthochwasser)

In der ganzen Fränkischen Schweiz machte sich das Unwetter deutlich fühlbar und sieht man überall die Spuren hievon. Auch in
Pottenstein ist ein Wolkenbruch niedergegangen. Das Wasser stand bis zum zweiten Stock in den Häusern. Um 6 Uhr
morgens wurde die Gößweinsteiner Feuerwehr alarmiert, um in Behringersmühle, welches durch den in der Waischenfelder
Gegend niedergegangenen Wolkenbruch unter Wasser gesetzt wurde, Hilfe zu leisten. Das Wasser führte von Pottenstein her,
ertrunkenes Vieh, ca. 18 - 28 Weinfässer, von Waischenfeld kamen Pflüge, Wagen, sogar ganze Dächer mit, fast alles auf den
Feldern liegende Futter und Getreide wurde fortgeschwemmt. In Stempfermühle ist der Steg weggerissen, ebenso hat auch die
Pumpwerksanlage Schaden gelitten, so daß es längere Zeit in Gößweinstein an Trinkwasser mangelt. Besonders stark
beschädigt ist die Sachsenmühle. Die Leute in hiesiger Gegend können sich nicht erinnern, schon ein solches Unwetter erlebt
zu haben. Die meisten Fuhrwerke fuhren gestern über Gößweinstein nach Pretzfeld, da die Straße im Tal unpassierbar war.

Waischenfeld, 05.08.1901 (Jahrhunderthochwasser)

Das Hochwasser, welches in der Nacht von 1. auf 2. August unsere Auen und Fluren teilweise verheerte, hat leider auch in
unserem ruhigen Städtchen den allergrößten Schaden angerichtet. Früh (am 2. August) um ½ 3 Uhr stieg der Zeubach rapid,
überschwemmte die Vorstadt, drang in die Schulzimmer der Landschule, in Ställe, Zimmer und Scheunen, ungefähr um 3 Uhr
trat das Gleiche bei der Wiesent ein. Mengen von Langhölzern, wahrscheinlich von der Truppach heruntergeführt, stauten sich
an der Brücke dahier, durch diese Stauung wurde auch das den Waischenfelder Bürgern gehörige, auf dem sog. Hirtenanger
lagernde Bauholz, Bretter und Blöcher und Brennholz, vielleicht 1 000 cbm und darüber, von den Fluten fortgeschwemmt. Alle
diese Menge von Holz war bis in die Höhe von 2 Stockwerken (über das Geländer gerechnet) aufgetürmt, bis an das
Rentamtsgebäude war das ganze Flußbett von oben angeführten Holzsortimenten bedeckt. In der Fischergasse mußten zwei
Oekonomen das Vieh über die Stiegen hinaus auf die Leithen schaffen. Wie schwierig das auf den engen Stiegen geht, läßt sich
denken. Aber der „Spitz“, der bekannte Händler und Oekonom Michael Schrüfer weiß sich halt in solchen Fällen zu helfen. Herr
G.A. Schroll rettete noch mit Noth seine Schafherde. Bis zum Stalleingang am Hause des Herrn Bürgermeisters Jöbstel reichte
das Wasser; genannter Herr hatte aber sein gesamtes Vieh schon anderwärts untergebracht.

Da, zum Glücke für Fischergasse und Vorstadt stürzte um ¾ 4 Uhr die Brücke zusammen, das heißt, sie wurde von den
gewaltigen Holz- und Wassermassen hinweg geschoben. Es war schauderhaft, als mit ohrenzerreißenden Knirschen und
Gekrache, diese vom Wasser getriebene unwiderstehliche Masse die Bäume und Gartenzäune hinweg nahm; aber damit war
auch die größte Gefahr beseitigt. Es konnte auch infolge des immensen Steigens keine Alarmierung erfolgen, da innerhalb 20
Minuten die Brücke unpassierbar war. An eine Hilfe hätte, wenn auch Pioniere zur Stelle gewesen wären, nicht gedacht werden
können, stieg doch das Wasser schubweise um einen Meter sogar. Nicht nur allein der Schaden an der Stadtbrücke, auch ein
kolossaler Schaden an Privateigentum haben Waischenfelds Einwohner zu tragen. Bemittelte und Unbemittelte, alle haben
Verluste erlitten. Eine Schmach aber ist es, daß trotz aller Bekanntmachungen und Verbote an manchen Orten das ans Ufer
geschwemmte fremde Gut von habsüchtigen Leuten weggeräumt wird, ohne daß dieselben abwarten, bis die Sachlage geklärt
ist. Es ist das Gebaren eine Strandräuberei zu nennen. Möge der Himmel uns in Zukunft vor solchem und ähnlichem Unglück
bewahren.

Quellen:

http://www.fsv-ev.de/allgemeines/Vor%20100%20Jahren/in_waischenfeld.htm









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