Wetterchronik 1844

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Hungersnot eingetragen von Mark am 30. Juni 2001

»Ja es sind neuerdings [1844] in der That Fälle hier vorgekommen, daß Menschen, die sich zu betteln
schämten, buchstäblich verhungert sind.[!] Denn es ist, besonders in kinderreichen Familien, gar nicht selten,
daß oft mehrere Tage lang kein Bissen Brod zu zehren ist und einige Kartoffeln in Maßen gekocht und mit Salz
genossen, machen oft das einzige Nahrungsmittel dieser Unglücklichen aus. Aber in gar vielen Familien sind
auch die Kartoffeln schon aufgezehrt, oder gehen auf die Neige, und dann ist völliges Hungerleiden und Betteln
unvermeidlich. ... , an Anschaffung der nöthigsten Kleidungsstücke so wie Holz zur Erwärmung der Wohnungen
ist gar nicht zu denken. Betten haben viele Familien nicht mehr, indem sie selbige veräußern mußten, um aus
deren Erlös nur auf einige Zeit den Hunger stillen zu können, sondern müssen ihre Nächte auf ärmlichen Lager
von oft modernden Stroh durchfrieren.
Es ist in der That herzergreifend, diese Bejammernswerthen mit bleichen abgehärmten Gesichtern, mit
trüben eingefallenen Augen, aus denen jeder Funke Lebensfreude verloschen ist, ... Schatten ähnlich
umherschleichen sehen zu müssen, […]

Quellen:

Aus einem Bittgesuch von 1844, Stadtarchiv Hohenstein-Ernstthal. Zitiert nach Hainer Plaul: Der Sohn des
Webers - Über Karl Mays erste Kindheitsjahre 1842-1848. In: Jb-KMG 1979, Hamburg 1979, S. 50.
http://www.karl-may-stiftung.de/hungersnot.html









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