Wetterchronik 1843

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zum Jahr

Trockenheit, Hungersnot eingetragen von Mark am 30. Juni 2001

Der ganze Monat Januar 1843 war fast ganz ohne Schnee, doch mit etwas Frost, den 30sten war ein
gewaltiger Sturmwind mit Wetterleichten u. Donnerschlägen begleidet. Den 2 Febr. war ein ganz schöner Tag,
es wurde auf den Bergen geackert, auch flogen die Bienen, den 5ten hat es wieder geschneiet, es war aber nur
ein Schleier, der bald wieder vergieng, im Monat Febr sind Schmettlinge geflogen, auch im Monat März haben
wir keinen Schnee gehabt, [] Wir traten mit banger Besorgniß ins neue Jahr, und diese Besorgniß
verdoppelte und vervielfachte sich beym Anfang des Frühjahrs. Nicht nur unsere Gegend schadete der heiße
Sommer, sondern weiter noch hinaus über Europa, aus allen Ländern u. Reichen Europas hörte man
Wehklagen über verfall der Nahrungs und des Handels, das Fabrik-Wesen besonders Strumpfwürker und
Leineweber kam ganz ins Stocken, ein Strumpfwürker verdiente nicht mehr als 10 bis 14 alte Groschen die
Woche. Die Weber hatten auch einen ganz schlechten Lohn und manche Wochen gar keine Arbeit, das Brod
war Theuer, u. ward immer theurer, die Erdäpfel waren ebenfalls rahr u. theuer, viele hatten wenige oder gar
keine erbaut und waren oben drein nicht einmal genießbar weil sie zu spät angeflogen u. daher Seifigt waren,
da war Noth u. Hungerleiden man sehe zurück in das Jahr 1817. Das war auch eine schwere Zeit, aber das
Heuerige war weit drückender. Zur Zeit des Erdäpfellegens galt der Dresdner Scheffel-Erdäpfel 1 rtl. 15. 20
Ngr. bis 2 rtlr und kein Verdienst, und kein Geld. Es wurden daher Vereine gebildet, so gar Frauen bildeten
Vereine zur Unterstützung der Armen, selbst bey uns wurde Einer unter den Vornehmen gebildet welche
Verhältnißmäßig viel gutes gestifftet und außerdem noch ihn ihren Häußern durch Speise u. Kleidung die
Armen unterstützten.
Besonders unser Hr. Hofrath u. Justizamtman Caspari hat öffentl. u. im stillen viel, viel Gutes gestifftet auch
ist durch Vermittlung deßen von Seiten des Durchl. Fürsten von Schönburg in Waldenburg vieles an den Armen
gethan worden, es wurden auch Erdäpfeln zum Legen theils unentgeltlich, theils fürs Geld verhältnißmäßig
verabreicht. Aber in der Gegend von Waldenburg, Lichtenstein und wo viele Strumpfwürker existiren ist große
Hungersnoth gewesen. Es haben sich so gar Wohlthäter aus anderen Ländern durch Vereine gefunden u.
Sachsensbewohner unterstützt, wie z.B. aus Elberfeld gegen 70 rtlr an die Bewohner das Muldenthales bey
Waldenburg gekommen sind. Die Bauern aber auch nicht zu vergessen, welche Schaarenweise von Bettlern
überhäuft worden sind, und wo mancher selbst viele Kinder hatte und hatt selbst das Brodkaufen müßen, haben
dennoch den Armen viel gutes gethan. Aber auch viele haben schwer leiden müßen und noch mehr haben
gelitten die sich des Bettelns schämten, ausgemattet schlichen sie auf den Gassen wie die Schatten ohne Kraft
u. Gewalt. In Mülsen St Jacob lebte eine Familie, Mann u. Frau mit 3 Kindern, der Mann war fleißig u. die Frau
nicht faul, der Mann wurde aber gelähmt, u. konnte seine Familie nicht mehr ernähren, daß die Frau bey der
ganz schlechten Zeit den Bettelstab ergreifen mußte.
Als nun auch Johani mit heran kam allwo der Haußzinns zum 2ten Termin fällig war trug er auch deßwegen
viele Sorge u. glaubte es würde ihm nun die Miethe aufgekündigt werden. Als nun am 17ten Juni seine Frau
nach Brot, betteln gegangen u. er zu Hause das kleine Kind gewieget, da nun seine Frau etwas lang außen
gewesen und das Kind geschrien, nimmt er einen Strick u. hängt sich an seiner neben der Wiege stehenden
Weberstuhl in einem Alter von 31. Jahren. []

Quellen:

Die Hungersnot der 1840er Jahre und ihre Auswirkungen
http://www.karl-may-stiftung.de/hungersnot.html
Aus den Tagebüchern des Hartensteiner Kirchners Johann Christian Friedrich Nierbauer. Die erhaltenen
drei Bände werden in Hartenstein aufbewahrt. Sie umfassen den Zeitraum 1804 bis 1869. (Ab 1862 stammen
die Aufzeichnungen von seinem Sohn Friedrich August) Zitiert wird nach einer Schreibmaschinenabschrift von
Karl Butter, Heimat- und Familienforscher, auch zeitweise Bürgermeister von Hartenstein, der um eine
buchstabengetreue Wiedergabe bemüht war.









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