Wetterchronik 1842

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zum Jahr

Trockenheit, man geht bei Dresden zu Fuß durch die Elbe eingetragen von Mark am 30. Juni 2001

»Von Ausgang April an bis fast Ende Septbr hat es nicht geregnet. Die Sommersaat gieng von der
anhaltenden Hitze nicht halb auf, die Erdäpfel desgleichen u. viele waren ausgefault. Es entstund daher ein
großer Waßermangel, nicht nur an Trinkwaßer, welches an vielen Orten für Geld gekauft werden mußte und
unter Polizeylicher Aufsicht stand, sondern auch ein großer Mangel an Mahlwaßer, alle Bäche waren
ausgetrocknet. Uiber der Elbe bey Dresden hat man an einen gewißen Ort darüber wathen können, und viele
sind zum Andenken darüber gegangen. In den Würschnitzer Bach soll eine Henne gelegt und die Jungen
darinnen ausgebrütet haben. In der Chemnitz sind die Fische gestorben. Unter unsern Steinischen Wehr hat
man trokenes Fußes länger als Ό Jahr darüber gehen können. Von Voigtland, von Chemnitz und anderen Orten
weit umher sind die Leute in unserer Steinmühle zum Mahlen gekommen, und Ende Aug. ward eine Woche lag
geschroden, es schlug daher das Brod wegen den Mahlgeld auf.
[…] Am 24 Juli ward angefangen zu Erndten. Das Winterkorn war sehr ergiebig, aber wenig Schocke. Das
Sommergetreide, welches beym Einfahren des Winterkorns noch grün sah, ward durch die außerordentliche
große Sonnenhitze ebenfalls bald reif, daß binnen nicht ganzer 4 Wochen schon eingeerndet war. Das
Sommergetreide fiel aber so sehr aus, daß der Samen doppelt im Felde bliebe. Am 31 Aug sind in Sayda bey
Freyberg 36 Häuser abgebrand. Auch in der sächsischen Schweitz, hat sich in der Gegend des Prebischthors
ein Waldbrand entzündet, wodurch die Reizende Umgebung durch das furchtbare Element vernichtet worden u.
Böhmischer Seits am 7 Sept. noch fort gebrand hat.
[…] Durch die anhaltent große Sonnenhitze, brannten Wiesen u. Gärten aus, es gab ganz wenig Heu, kein
Kraut war auch nicht u. das Wenige war laußig, keine Kohlruben, kein Klee, Gartengemüse aller Art, war rahr,
Butter, Milch, Käse waren ebenfalls rahr u. theuer eine Kanne Butter galt in Monat Novembr 18gr. curant. Das
Korn kam in diesen Jahr auf 4 rtlr 12 gr. cour, der Weitzen 5 rtlr – Gerste 4. rtlr – 2 ½ Hafer nach dem Dresdner
Scheffel. Der Zentner Heu ist mit 2 rtlr im Herbst verkauft worden. Aber das allergrößte Elend war mit den
Erdäpfeln. Anfängl. waren sie ausgefault, daß nur hie und da ein Stock auf manchen Felde stand. Als nun Ende
August die Erdäpfel probirt wurden, da war Lammentation, sie waren klein, u. wenig dar an konnte niemand
welche essen, es kam Michaelis nach welchen Tage sonst immer das Ausnehmen angefangen wurde, und
auch da konnten sie die Leute noch nicht genießen sie waren zu spät erst angelaufen, und nachher fehlte den
Erdäpfeln die Wärme, der schon im Ausgang Septbr u. Anfang Octbr war es rauh und kalt, und 3, 4, 5 Wochen
nach Michaelis sind viele ausgenommen worden. Viele ließen es aber auch darauf ankommen, meinten es
müßten doch beßer werden. Aber auf einmal änderte sich das Wetter, eine Nördlich kalte Luft gieng daß es
niemand im stand war auszuhalten, den 2ten Novbr fing es anzuschneien, und darauf erfolgte eine solche Kälte
welche bis auf 12 Grad gestiegen ist welche 8 ganze Tage anhielt. Nun gab es mehrere die keine Erdäpfel
noch im Hause hatten da war Noth vorhanden. Aber am 12 Novbr wurde Thauwetter, da sind den mehrere
Erdäpfel mit der Radhau rausgethan worden. Hernach viel ein großer Schnee, […] Den 29ste u. 30 Novbr
thauete es stark, u. die armen Leute giengen auf die hiesigen Hoffelder u. Hackten in den ausgenommenen
Erdäpfel Feldern nach. Vor dem Frost hatten es auch schon Welche gethan, diejenigen aber die ertapt wurden
kamen in Arest –. u. hernach gefrohren sie –. […]
Zum Schluß des Jahres war nun von der ersten Kälte weder Schnee noch Eis mehr zu sehen, und den 4ten
Advent Sonntag war einige Tage ganz schöne Witterung das auf den Bergen konte geackert werden. Die
Weihnachtsfeyertage war mit unter Regenwetter besonders den 30 u. 31 Dec hörte es gar nicht auf zu regnen.

Quellen:

Die Hungersnot der 1840er Jahre und ihre Auswirkungen
http://www.karl-may-stiftung.de/hungersnot.html
Aus den Tagebüchern des Hartensteiner Kirchners Johann Christian Friedrich Nierbauer. Die erhaltenen
drei Bände werden in Hartenstein aufbewahrt. Sie umfassen den Zeitraum 1804 bis 1869. (Ab 1862 stammen
die Aufzeichnungen von seinem Sohn Friedrich August) Zitiert wird nach einer Schreibmaschinenabschrift von
Karl Butter, Heimat- und Familienforscher, auch zeitweise Bürgermeister von Hartenstein, der um eine
buchstabengetreue Wiedergabe bemüht war.










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