Wetterchronik 1928

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26. Juni

Schwerer Hagelschlag in Heuhof eingetragen von Mark am 29. Juni 2001

Am 26. Juni wurde Heuhof von einem Hagelschlag betroffen. Ich unternahm an diesem Tage mit meinen
Schulkindern einen Ausflug zur Burgruine Bayereck bei Neuern. Ein schwerer Leiterwagen, bespannt mit zwei
kräftigen Pferden, welche der auch als verläßlicher Fuhrmann bekannte Bürgermeister Alex Seidl lenkte,
ratterte um 7 Uhr zum Dorfe hinaus. Einige Eltern der schulpflichtigen Kinderschar sahen dem mit
Sitzgelegenheiten versehenen und mit schattenspendenden Birkenreisern geschmückten Gefährte mit
freudestrahlenden Augen nach. Lustige Marsch- und Wanderlieder tönten in den hellen Sommertag hinein.
Schon am frühen Morgen machte sich eine stechende Hitze unangenehm fühlbar. Auf der Hinfahrt lief uns ein
Hase über den Weg, was vom Fuhrmann als üble Vorbedeutung ausgelegt wurde. Ich lachte ihn
selbstverständlich aus. Ohne Zwischenfall erreichten wir unser Ziel, die Burgruine Bayereck, besichtigten diese
eingehend - ich hatte vorher meine spärlichen geschichtlichen Kenntnisse ausgekramt - genossen auf der
"Sauebene" einen herrlichen Rundblick auf die umliegenden Ortschaften und kamen, mit dem Gebotenen
vollauf zufriedengestellt, gegen 14 Uhr nach Neuern zurück, wo wir unser Fuhrwerk zurückgelassen hatten.

Schon zeigten sich recht verdächtige Gewitterwolken. Wir wiegten uns aber mit der Hoffnung, noch vor
Ausbruch des Gewitters wohlbehalten unser geliebtes Heimatdörfchen zu erreichen. Es sollte aber anders
kommen. Als wir den "Holzschlag" hinter uns hatten und auf der Höhe beim "Grünen Kreuze" angekommen
waren, bemerkten wir gegen Norden eine fahlrote Färbung des Himmels mit wenigen zerstreut liegenden,
lichten Wolken. Noch immer ohne Arg fuhren wir weiter. Kaum lag das Jägerhaus hinter uns, setzte plötzlich ein
Orkan ein und eine halbe Minute später prasselten nußgroße Hagelkörner auf uns Ahnungslose nieder. Die
Pferde scheuten und nun begann ein heilloses Durcheinander. Die Kinder sollten absteigen, aber rat- und tatlos
blieben sie sitzen. Endlich sprangen einige beherzte Knaben über die Leitern des Wagens und ich hob ein
Mädchen nach dem andern vom rasch dahinrollenden Wagen. Nur nach geraumer Zeit gelang mir dies allein,
da unser Fuhrmann alle Kraft aufwenden mußte, um die Pferde am Durchgehen zu hindern. Die Kinder suchten
im Gebüsch am Wege Schutz. Als ich das letzte Kind in Sicherheit gebracht hatte, flüchtete auch ich dorthin.
Die Kinder fand ich zu einem Klumpen zusammengedrängt, jammernd, vor Kälte zitternd und laut betend,
meine Trostworte fanden kein Gehör.

Nach Verlauf von 7 Minuten ließ der Hagelschauer nach und nur Wind und Regen hielten an. Bis auf die Haut
durchnäßt, mit Beulen am Kopfe, stürmten wir zum nahegelegenen Gasthaus "Waldquelle", wo die frierenden
Kinder eine warme Stube fanden und von der gütigen Wirtin mit trockenen Kleidungsstücken versehen wurden.
Nach kurzem Aufenthalte bei der freundlichen Familie Bohmann brachen wir auf und schritten stumm und
erschöpft hinter dem Wagen. Auf dem weiteren Heimwege sahen wir häufig Menschengruppen, welche das
furchtbare Ereignis lebhaft besprachen. Auf dem ganzen Wege sahen wir Haufen von Hagelkörnern. Heuhof
wurde besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen, da der gesamte Getreidebestand total vernichtet, die
Halme buchstäblich in den Boden gestampft waren. Auch alle anderen Feldfrüchte wiesen sichtbare Spuren
dieser Katastrophe auf. Kaum ein Viertel der normalen Ernte wurde in diesem Jahr erzielt. Da diese Mißernte
gleich nach Feststellung der Schadenshöhe vorauszusehen war, sämtliche Besitzer ihren Viehbestand
bedeutend herabsetzen mußten und zum Ankauf eines großen Teiles Mahlgetreides und des Saatgetreides
gezwungen waren, wurden Schritte zur Erreichung einer geldlichen Hilfeleistung aus Staatsmitteln sofort
eingeleitet. Eine Ortskommission, bestehend aus Alex Seidl, Franz Multerer und Franz Baumann (Drotbauer)
nahm die Schadenserhebung vor. Das diesbezügliche Verzeichnis wies die Namen der Besitzer mit der
Schadenshöhe der einzelnen Kulturen getrennt auf - eine langwierige und mühsame Arbeit. Der
Erhebungsbogen samt Beilagen - dieser wies eine Gesamtschadensumme von 380 100 kc aus - wurde an die
politische Bezirksverwaltung gesandt. Dreimal kam dieser zwecks Ergänzung rep. Berichtigung zurück,
wiederholt wurde durch Bürgermeister Alex Seidl bei den maßgebenden Stellen interpelliert, bis endlich am
26.4.1929, also fast nach einem Jahre, der klägliche Betrag von 13 000 kc als Schadensvergütung zuerkannt
und das Geld der Gemeinde zur Auszahlung an die geschädigten Besitzer überwiesen wurde.

Quellen:

Chronik von Heuhof
http://members.tripod.de/HJBrei/heuhof.htm









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