Wetterchronik 1861

Infos Neuer Eintrag Übersicht

Januar

Eishochwasser des Rheins, Häuser in Grietherbusch zertrümmert eingetragen von Mark am 29. Juni 2001

"... Im Jahre 1861 wurde die hiesige Gemeinde von einer großen Wasserflut und einem fürchterlichen
Eisgang heimgesucht. Der Rhein war infolge der Kälte zugefroren. Ende Januar trat Tauwetter ein.
Die gewaltige Eisdecke im neuen Rhein setzte sich in Bewegung und alle Bewohner unserer kleinen
Gemeinde sahen mit Angst und steigender Besorgnis den kommenden Dingen entgegen...
Gegen Abend kam das Treibeis des Oberrheins und staute sich unterhalb Emmerich. Binnen
weniger Minuten wuchs das Wasser oberhalt der Stauung riesig. Schnell war die Gegend zwischen
den Dämmen unter Wasser gesetzt... Die Menschen mußten ihre Zuflucht auf den Söllern nehmen.
Vorher mußten sie im kalten Eiswasser waten, um das Vieh in den Ställen zu retten. Schweine
wurden auf die Böden transportiert... Möbel, Kleidung und Bettzeug mußte in die Höhe geschafft
werden.
... Durch das hohe Wasser lösten sich die ungeheuren Eisblöcke im alten Rhein und trieben auf die
Häuser zu. Binnen weniger Minuten wurden von ihnen mehrere Häuser zertrümmert, so: Siebers,
Koopmanns, Küppers, Pelzer auf der Ward und Lodewik. Letztere lagen im Schlaf, Nachbarn
mochten dies ahnen. Mit edler Aufopferung arbeiteten sie sich zu den Bedrohten mit ihrem Kahn,
trotz Wogen und Eisschollen - und das in der Nacht! Kaum sind die Lodwiks mit einigen wenigen
Utensilien in den rettenden Kahn gelangt, da bohrt eine mächtige Eisscholle das Haus in den Grund.
Nicht so schnell konnte die unglückliche Familie Küppers gerettet werden. Sie wohnte ziemlich
isoliert... die Eisschollen wehrten auch den Mutigsten und Kundigsten. Auf dem Söller ihre Zuflucht
nehmend, erklommen sie Balken und Schornstein und lassen ihr herzzerreißendes Hilfegeschrei
weithin durch die Nacht gellen...
Unter größter Gefahr arbeiten sich einige Mutige durch die Eisschollen zu den Armen. Aber erst
gegen Morgen gelingt dieses halsbrecherische Wagestück. Brausendes "Hurra" und "Bravo"
erscholl vom Biener Damme aus der großen Masse der Zuschauer, die sich dort versammelt hatten,
als die Rettung gelungen war. Es war eine Schreckensnacht. Das Angstgeschrei der Bewohner, das
Gebrüll des Viehes, das Notläuten von den Türmen der Gemeinde Bienen, Grieth und anderer, das
Tosen des Wassers und das Rumoren der Eisschollen, alles dieses schallte schaurig weithin durch
die infernalische Nacht".

Quellen:

Sechs Gemeinden und ein Amt
http://www.vrasselt.de/6gemkp19.html
Sechs Gemeinden und ein Amt - Die Chronik des Amtes Vrasselt von 1969









Passwort

Hosting: www.wetterzentrale.de, Programmierung: Mark Vornhusen