Wetterchronik 1893

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Januar

Rhein zugefroren eingetragen von Mark am 29. Juni 2001

Friedrich Brinkmann berichtet aus eigenem Erleben über den zugefrorenen Rhein im Jahr 1891 und 1893, wie sie sich ihm von der Homberger Seite her boten:

"Zum zweiten Male setzte sich das Stromeis am 18. Januar 1893 fest,
wiederum nach langer und strenger Kälte. Diesmal trat aber schon nach
wenigen Tagen Tauwetter ein. Glücklicherweise ging das Eis in beiden
Jahren schnell und ruhig ab. In früheren Zeiten richtete der Eisgang mehrfach
großes Unheil an, zuletzt im Jahre 1855. Wasser und Eisblöcke stürzten mit
wilder Kraft über die Ufer und brachten den Bewohnern Tod und Verderben.
Leben und Treiben auf dem Eise.

Kaum war das Eis zum Stehen gekommen, da versuchten auch schon
waghalsige Burschen den Übergang, Aber sie mußten ihren Vorwitz mit
großem Schrecken büßen, denn die Schollen wurden noch mehrmals weiter
geschoben, ehe sie eine unverrückbare feste Brücke bildeten. Nachher
wurden Wege durch die wüsten Eismassen gebahnt, und man konnte sicher
und bequem von einem Ufer zum andern marschieren. Das seltene Ereignis
zog täglich Tausende von Menschen herbei. Die Eisenbahn mußte
Sonderzüge einlegen. Es war aber auch ein unvergeßlicher Anblick, der hier
von der Natur geboten wurde. besonders wenn das weite, wildgezackte
Eisfeld von den goldenen Strahlen der Abendsonne beleuchtet wurde. Auch
das bunte Leben und Treiben auf dem Eise hatte einen eigentümlichen Reiz.
Es wurden Buden aufgeschlagen und Schankstätten errichtet.

An mehreren Tagen befanden sich Musikanten auf dem Eise, die fröhliche
Weisen spielten. Man sang Rheinlieder und drehte sich im Tanze. Manche
ließen sich auf den Schollen photographieren, und abends wurden
Fackelzüge veranstaltet. An einem Sonntage gingen 30 000 Menschen Über
den Rhein. Wer dabei war, hatte ein denkwürdiges Erlebnis."

Quellen:

Friedrich Brinkmann (* Altendorf b. Essen 20.4. 1873, Duisburg 2.4.1929) war Volkschulrektor in Homberg und Duisburg und zugleich in der Stadt - und Heimatgeschichtsforschung tätig.
http://www.mercator-verlag.de/programm/leseproben/duisburgernotizen.html









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