Wetterchronik 1988

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April

Osterhochwasser der Elbe eingetragen von Steffen (Wische) am 25. Juni 2001

"Elbe-Aland-Deiche sind Tag und Nacht bewacht
Schutzwälle mit 458.000 Sandsäcken erhöht und verstärkt

Magdeburg (ADN/EB). Schwerpunkt der Hochwassersituation ist nach wie vor die Elbe. Der Hochwasserscheitel passierte am Sonnabend mit Werten von 579 cm Magdeburg und bringt im Unterlauf weiter steigende Wasserstände. Am Pegel Wittenberge wurden am Sonntag um 19 Uhr 675 cm gemessen, das sind etwa 390 cm über normal. In sechs Stunden steigt das Wasser jetzt um drei bis vier Zentimeter. Aufgrund dieser Wasserstände mußte am Sonnabendabend für den Kreis Osterburg (Pegel Wittenberge) die Alarmstufe IV ausgerufen werden.
Steigende Pegel sind in Wittenberge noch bis zum Wochenbeginn zu erwarten, wobei die höhere Wasserführung noch längere Zeit andauern wird. Das macht auch weiterhin große Anstrengungen zum Hochwasserschutz in dem Niederungsgebiet von Elbe und Aland notwendig. Wie die dazu erforderlichen Maßnahmen verwirklicht werden, davon überzeugte sich Dr. Hans Reichelt, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates und Minister für Umweltschutz und Wasserwirtschaft, am Sonntag im Kreis Osterburg an Ort und Stelle. Er würdigte den hohen Einsatz aller für die Abwehr des Hochwassers eingesetzten Werktätigen und beriet gemeinsam mit dem Leiter der Zivilverteidigung der DDR, Generalleutnant Fritz Peter, dem Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Magdeburg, Siegfried Grünwald, weiteren leitenden Partei- und Staatsfunktionären und Einsatzkräften die derzeit dringlichsten Aufgaben.
Auf über 30 Kilometer Länge wurden die Deiche an Elbe und Aland im Kreis Osterburg bis Sonntag mit insgesamt 458.000 Sandsäcken erhöht und verstärkt. Damit sind die Deiche an allen Abschnitten dieses Gebietes so ausgebaut, daß noch 50 bis 70 cm Freibord vorhanden sind. Insgesamt 4.650 Kräfte, Experten der Wasserwirtschaft aus mehreren Bezirken, Angehörige der NVA, der Bereitschaftspolizei, Kräfte der Zivilverteidigung, Werktätige aus Betrieben, Genossenschaftsbauern, Bewohner haben hier Hervorragendes geleistet.
Jetzt gilt es, die Sicherheit der stark durchfeuchteten und zunehmendem Druck ausgesetzten Deichen zu gewährleisten. Darauf konzentrieren sich in dieser Woche alle Anstrengungen. So sind jetzt zusätzlich 1.600 Soldaten zur Deichwache eingesetzt. Ein dichtes Netz der Kontrolle ist eingerichtet, so daß die Deiche jetzt ständig beobachtet werden können. Die Wachen stehen über Funk und Fernsprecher mit dem Einsatzstab in Verbindung. Damit auch nachts Sicker- und Schadstellen besser erkannt und schnell beseitigt werden können, wurde für besondere Gefahrenstellen Beleuchtung geschaffen.
Um eventuell entstehende Gefahren schnell und wirksam abwenden zu können, wird auch weiter Sand angefahren, werden Sandsäcke gefüllt, wurden Folien zum Abdecken von Deichflächen herangeschafft. An den Schutzwällen sind vorsorglich Depots mit 100.000 Sandsäcken angelegt worden. All diese Bemühungen gelten dem Schutz der Wischeniederung, ihrer Bewohner sowie der Tierproduktionsanlagen mit 75.000 Stück Vieh und 7.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Durch die erheblichen Niederschläge am Freitag, örtlich bis 30 Liter je Quadratmeter, sowie Schmelzwasser erhöhte sich der Zufluß an den Saaletalsperren um mehr als das Siebenfache gegenüber den durchschnittlichen Werten. Für das Zuückhalten dieser Wassermengen mußte der gesamte dafür vorgesehene Speicherraum beansprucht werden. Damit die Aufnahmefähigkeit der Becken auch weiterhin gesichert bleibt, wird für einen längeren Zeitraum verstärkt Wasser reguliert abgelassen. Dadurch ist der Pegelstand der Saale unterhalb der Talsperren deutlich angestiegen.
Insgesamt bestehen in 93 Kreisen der Republik Alarmstufen für den Hochwasserschutz, davon in 14 Kreisen die Stufe IV und in weiteren 27 Kreisen von 9 Bezirken die Stufe III. Wegen Überflutung sind derzeit 26 Abschnitte von Fernverkehrs- und Bezirksstraßen auf einer Länge von insgesamt 110,4 km gesperrt."

Dieses Hochwasser erstreckte sich 1988 auf die gesamte DDR. Hauptschwerpunkt war der Bezirk Magdeburg an den Flüssen Elbe, Saale, Milde/Biese/Aland. Die Kreise Osterburg, Tangerhütte, Havelberg, Rathenow und Schönebeck waren am schwersten betroffen.
Durch diese Hochwasserkatastrophe wurde am Karfreitag 1988 die altmärkische Wische für den allgemeinen Fahrzeugverkehr gesperrt, auch mein Heimatort war davon betroffen. Allerdings gab es für die Bewohner der Wischedörfer keine Beschränkungen. (Steffen Obara)

Quellen:

Volksstimme vom 4. April 1988, eigene Erinnerungen









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