Wetterchronik 1909

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14. Februar

Hochwasserkatastrophe 1909 in der Wische eingetragen von Steffen (Wische) am 24. Juni 2001

Als die Deiche brachen - Erinnerungen an die Hochwasserkatastrophe 1909 in der Altmark

In den Februartagen des Jahres 1909 brach eine ungeheure Hochwasserkatastrophe über die östliche Altmark herein. Die Ursache dazu lag bereits am Oberlauf der Elbe, im damaligen Böhmen. Von dort her bewegten sich bei Beginn des Tauwetters gewaltige Eismassen elbabwärts, die sich im Gebiet der Altmark zu undurchdringlichen Eisbergen anstauten.
Von Hitzacker bis Berge, 34 Kilometer lang, war eine riesige Eisverstopfung entstanden. Mächtige Eisblöcke bedeckten den Grund der Elbe und schoben sich, getragen von den Fluten des Stromes, an den Ufern hinauf. Oberhalb der Havelmündung bildete die Eisversetzung ein gewaltiges Massiv von sieben Metern Stärke.
Als sich am 12. Februar das Wasser bei Berge und Räbel um zwei Meter staute, war die Gefahr für die Bewohner der umliegenden Ortschaften bereits sehr bedenklich geworden. Mühselige Arbeiten mußten bei grimmiger Kälte von den Bewohnern des bedrohten Gebietes und von den zur Hilfeleistung herbeigerufenen Magdeburger Pionieren bei der Befestigung des Deiches geleistet werden.
Am Nachmittag des 13. Februar lief das Wasser bei Räbel bereits an einzelnen Stellen über den Deich. In der folgenden Nacht trat auf dem gegenüberliegenden rechten Elbufer unterhalb von Sandau, unweit von Toppeln, am Mühlenholz vor Havelberg, ein Deichbruch ein, bei dem aber die Durchflut schnell wieder zum Stehen kam. Nun war die Gefahr für das altmärkische Ufer wieder verstärkt. Die ganze Nacht hindurch hatte man gearbeitet. Besonders gefährlich war die Lage bei Berge und Räbel.
Am 14. Februar mittags brach der 1846 gebaute sogenannte "Neue Deich" bei Berge. Die Wasser der Elbe ergossen sich durch das breite Loch hinein in das von dem "Alten Deich" und dem "Neuen Deich" vollständig eingeschlossene etwa 4000 Morgen große Gelände "Sandauerholz" und überfluteten dort die Besitzungen und heutigen Dörfer Büttnershof, Sandauerholz und Kannenberg. Die Bewohner retteten sich in der Eile auf die Hausböden und Dächer. Das Vieh ertrank in den Ställen.
Immer höher stieg das Wasser im Sandauerholz, und am 15. Februar brach trotz heldenmütiger Verteidigung durch Zivilbevölkerung und Militär der "Alte Deich" zwischen Kannenberg und Germerslage. Damit war auch das letzte Bollwerk gegen die anbrausenden Elbfluten beseitigt. Zwölf Tage lang strömten nun täglich mehr als 30 Millionen Kubikmeter Wasser in die Wische, die drei bis vier Meter niederiger als das Hochwasser des Elbstroms war. Überschwemmt wurden 110000 Morgen Land und 64 Ortschaften, darunter auch die Stadt Seehausen (Altm.).
Um einen Ablauf des Wassers im alten Strombett wieder herbeizuführen, waren mehrere Eisbrecher ununterbrochen tätig. Anfangs legten sie etwa 15 Kilometer pro Tag zurück, später nur noch fünf bis sechs Kilometer. Am 25. Februar erreichten sie Werben (Elbe); einen Tag später war ihre Arbeit beendet. Die Eisbrecher hatten die Eisversetzungen beseitigt, und damit hörte das Einströmen des Wassers in die Wischelandschaft auf.
Der Gesamtschaden dieser Katatrophe wurde auf 1 814 858 Reichsmark festgestellt. Eine große Hilfsaktion setzte sofort ein, selbst die Kaiserin reiste in das Notstandsgebiet. Allein die Berliner Sammlung ergab 260 000 Mark.

Quellen:

Volksstimme vom 2. April 1988, Ortschronik der Gemeinde Giesenslage, Chronik der Gemeinde Berge









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