Wetterchronik 1602

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16. Januar

Lawinenabgänge bei Davos eingetragen von Mark am 22. Juni 2001

Die vorhandenen Berichte stimmen darin ueberein, dass der 16. Jaenner dieses Jahres ein Unglueckstag
erster Ordnung gewesen sei. Der Chronist Hans Ardueser berichtet:

"1602 den 16. Januar, an einem Samstag, in der Nacht um 12 Uhr ist auf Davos einsmals an vielen Orten so
grusame Schneeloeuewinen anbrochen, dass baerg und tel erzitteret und toset. Die loeuewin brachte im
Schnee Haerd, duerr Holz, Cris, Stein, ganze Lerchen und Tannen mit samt den wuerzen. Uf das hat man mit
allen gloggen gestuermt und drei tag und nacht mit unaussprechlicher muey schnee usgeworfen und 13 tote
Menschen under dem schnee fuenden samt etlichen lebendigen. Auch hand zu allen Orten diese loeuewinnen
uf Davos bis 70 Staell und Hueser zerbrochen und hinwegfueert, auch gar viel Kleinvie samt bis 20 milchkuee.
Hand auch unser Frauenkirchen gar (fast) hinweggenommen. Daselbst hat man noch lebendig 2 claffter tuef
under dem schnee funden ein toechterli von 14 jahren, so 36 stund under dem schnee vergraben gsin, da ist
gottes providenz und allmacht samt der englen biwohnig gnediglich erzeigt hat. Jetzgemeltes toechterlis
muetter, Jakob Arduesers verlassene witfrau, ist hab nid lang vor uewer ankunft noch mit miner muetter gredt.
Gfraget von Herr Landeshoptmann Gulero, was? Min mueter seit es, hat zuo huelf.

Der Chronist Flury Sprecher berichtet ueber den gleichen Unglueckstag: 1602 den 16. Januar an einem
Samstag nacht um 12 Uhr, nachdem es drei Wochen geschneit und der Schnee ueber 12 Schue Hoehe
erreicht hatte, sind in Davos auf einmal an vielen Orten gewaltige Schneelauinen losgebrochen, dass Berg und
Tal erzittret und toset. Ganze Lerch- und Tannebaeume mitsamt den Wuerzen, viel Erde und Steine wurden
mitgerissen, die Frauenkirche, bei 70 Haeuser und Hofstaetten zertruemmert oder hinweggefuert und mit samt
den Bewohnern in Schnee begraben. Es wurde mit allen Glokken gestuermt und drey Tage und drey Naechte
mit grosser Anstrengung im Schnee garbeitet. 13 Personen (9 im Dischma, wovon 7 in einem einzigen Hause,
4 in der Frauenkirche) waren ums Leben gekommen, 5 andere aber (worunter ein 14 jaehriges Maedchen, das
36 Stunden im Schnee gelegen) wurden bei der Frauenkirche und am Platz noch lebend aus dem Schnee
geschaufelt.

Zu der Hoptkirchen hat man noch lebendig under dem Schnee usgraben Flury Sprechers Sohn Hanns, jetziger
(1605) Vicary im Veltin sampt seiner Hausfrau mit zwei Kindern, so auch alle 12 Stund undrem Schnee
glaegen warend aber das juengste Kind fand man tod. Im Tal Dischma sind sieben Personen in einem Hus im
Schnee verdorben. Um mitten Merzen war in Davos noch 14 Spannen tiefer Schnee.

Christen Christ berichtet ueber den naemlichen Tag namentlich ueber die Lawinen im Dischma:

"1602 am 16. Jenner, nachdem es drey Wochen geschneyet, also dass es 12 Schu Schnee gehabt und
Leuenen im Dischma bei der Gulrigen Haeuser gangen, haben alldort 9 Personen getoedt und die Kirche
troffen. Allda ist Jakob Arduesers ein 14 jaehrige Tochter von 12 Uhr der Samstag Nacht und bis Dienstag
Mittag lebendig in der Leuenen geblieben.

Sie hat darnach noch gar viel Jahr und Tag gelebt. Auch sind von dieser und andern Leuenen selbigs Mal 70
Haeuser oder Staell brochen worden und auch gar viel Vieh getoetet. Grad in diesen Tagen haben die
Leuenen zu Pravigen ein Haus genommen, darin Herr Oberst Johann Sprecher Frau, zwei Kinder und die
Magd undergelegt worden, davon das juengere Kind von 9 Monat erstickt, die uebrigen Sonntag Morgens
lebendig funden worden.

Quellen:

siehe Text










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