Wetterchronik 1901

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zum Jahr

Wetter und Ernte in Boke eingetragen von Mark am 22. Juni 2001

So gelinde die Temperatur in den
letzten Monaten des vergangenen Jahres
waren, so strenge trat der Winter auf in
den Monaten Januar und Februar.
Zuerst starker Frost, dann Schnee in Men=
ge. - Am 18. Januar wurde die
200jährige Krönungsfeier des König=
reichs Preußen gefeiert. Mit dieser
Feier wurde in diesem Jahre der
Geburtstag Sr. Majestät unsers Kai=
sers und Königs Wilhelm II gefeiert.
Am 26. und 27. Januar herrschte hier
ungemein starker Sturm und Re=
gen nebst schwerem Gewittern.
Wegen des starken Regens und schnel=
len Schneetauens trat die Lippe
aus ihren Ufern. Am 29. Januar
starkes Schneetreiben. Die sich bildende Schnee=
decke blieb bis Ende Februar liegen.
Im März fortwährend kalte Tage. Schnee=
gestöber und Regen wechselten beständig.
Am 28. März kam von S.W. her ein
recht schweres Gewitter mit ziemlich dicken
Hagelkörnern. Der häufige Schnee und die
steten Nachtfröste in den Monaten März
und April haben der Winterfrucht bedeu=
tend geschadet. Ganze Weizenfelder haben
müssen umgesäet und mit Sommerfrucht
bestellt werden. - Der Monat Mai hatte
bei stetem Nord=Ost=Winde nur trockenes
Wetter. Das Gras auf den Weiden und den
Lippewiesen konnte sich deshalb schlecht
entwickeln und werden diese Wiesen
wohl einen geringen Ertrag liefern.
Ende Mai waren die Viehweiden
vollständig kahl und weiß. Am 30 Mai
ein ziemlich schweres Gewitter. Der
Blitz schlug in der Nähe des Schwanen=
kruges in eine Pappel und in einen
Weidenbaum. Auch brachte das Gewit=
ter etwas Regen. Der Monat Juni
meist ohne Regen. Die Pflanzen konn=
ten kaum gelegt werden. Mitte Juni
begann in den Kanalwiesen der Boker=
Heide die Heuernte. Diese Wiesen
Liefern durchgehend einen guten
Ertrag; der Preis beim Verkaufe
ist im Vergleich zu den vorhergehen=
den Jahren ein bedeutend höherer.
Am 23 und 24. Juni wurde das Schüt=
zenfest gefeiert. Am 1. Julitage kam
der lang ersehnte Regen. Es regnete
an einigen Tagen. (...) Die Heuernte in den
Lippewiesen wurde Ende Juli be=
endet, befriedigte aber in keiner Weise.
Ende Juli und Anfangs August herrschte
wieder große Dürre. Die Roggenernte
ging deshalb rasch von statten. Der
Ertrag an Körnern befriedigte wohl,
aber nicht der Ertrag an Stroh. Am 28.
August regnete es nach langer Dürre
mehrere Stunden. Der Monat Sep=
tember brachte mehr Regen; am 14.
15. 17 und 18 sogar starke andauernde
Regenschauer. Ende dieses Mts. war die
Grummetemte. Die Wiesen an der
Lippe konnten größtenteils nicht ge=
mäht werden, daher war der Grum=
met in den Kanalwiesen außerge=
wöhnlich teuer pro Morgen wohl 50
60 Mark. Die Kartoffelnernte, welche
im Oktober beendet wurde, lieferte
einen reichlicheren Ertrag, als man
beim Beginne der Ernte glaubte; doch
an Güte blieb zu wünschen übrig, da
viele Knollen durchgewachsen waren
und so für den Menschen ungenießbar waren.
(...) Am 14. November nachmittags brannte das Haus
des Ackerers Karl Griese zu Heitwinkel total
nieder. Menschenleben sind zum Glück nicht zu
beklagen; wohl aber ist eine wertvolle Kuh
erstickt und verbrannt, die andere war noch den
Flammen entlaufen, hatte aber solche Brand=
wunden erhalten, daß sie am folgenden Tage
geschlachtet werden mußte. Es herrschte an
dem Tage ein ganz gewaltiger Sturmwind,
welcher das Rettungswerk bereits unmöglich machte.
Ende November und auch im Dezember
häufiger Sturm und viel Regen. Am 7. De=
zember trat die Lippe ganz über die Ufer
und am 9 d. Mts waren gegen Abend mehrere
Gewitter mit starkem Sturm, Regen und
Schnee.

Quellen:

Boker Chronik des Jahres 1901 (Boke/Landkreis Paderborn)
http://www.boke.de/publikationen/chronik_1901_1/chronik_1901_1.htm









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