Wetterchronik 1905

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10. August

Hagelunwetter in St. Martin eingetragen von Mark am 15. Juni 2001

Am Donnerstag, dem 10. August, um 11.15 Uhr zog über St. Martin ein Gewitter mit Hagelschlag
hinweg, das in zehn Minuten die ganze Ernte vernichtet hatte. Schloßen, größer als ein Hühnerei,
zerschlugen Dachziegeln und Fensterscheiben. Über das Inferno berichtet der Augenzeuge
Ludwig Rößler in seinem Hausbuch:

"Der Sommer war sehr gut. Die Trauben blühten früh, vor Johanni schon. Der Wurm
konnte keinen Schaden mehr machen, weil wir so früh Trauben in den Wingert hatten.
Es hätte einen vollkommenen Herbst gegeben und er wäre sehr gut geworden, aber
unser lieber Gott wollte es anders haben. Er schickte uns am 10. August ein schweres
Gewitter mit solchem Hagelschlag, daß es beinahe nicht arg genug zu schildern ist. Es
kamen Eisstücke in der Größe von Gänseeiern, die ganz zackig waren. Alle
Fensterscheiben und die meisten Ziegeln auf den Dächern wurden zerschlagen, so
daß in allen Häusern das Regenwasser auf die Speicher und durch die Stuben lief. Es
gab einen derartigen Wolkenbruch, daß die Keller und die unteren Räume unter
Wasser standen. Bei mir drang es in den Hof und in den Keller, trotz des Schutzbrettes
am Tor. Wir glaubten, ertrinken zu müssen. Auf unser Hilferufen kamen Leute und
machten ein Loch in die Mauer gegen die Wiesen. Dann ist das Wasser abgezogen und
wir atmeten erleichtert auf. Ich stand im Wasser bis zu den Schultern, um zu retten, was
zu retten war. Meine Frau wollte zwei Kälber retten und stellte sie auf die Krippe. Sie
wäre aber mit den Kälbern ertrunken, wenn nicht gerade zur rechten Zeit die Mauer
durchbrochen worden wäre.
Jetzt nach dem Unwetter, welches Bild im Dorf und Feld! Das Dorf ist voll Schutt, einen
Meter und einen halben hoch. Alle Feldwege gleichen einer Hohle. Manche glaubt man,
nicht mehr herrichten zu können. Es kostet der Gemeinde 1 500 Mark, die Wege
herzurichten. Jetzt erst die Wingert und Bäume! Alles total zerschlagen. Es sieht aus,
als wenn im November das Laub von den Bäumen gefallen wäre. Die Trauben und das
Obst liegen auf der Erde. Man kann es nicht beschreiben, wie schrecklich es aussieht.
Der Herbst ist gleich Null. Es ist nur noch ein ganz kleiner Teil geblieben, der nicht
mehr reif wird. Das Holz reift nicht mehr aus, was ein großer Nachteil für das nächste
Jahr sein wird.
Das Unwetter erstreckte sich auf sechs Ortschaften: Weyher, Rhodt, Edenkoben, St.
Martin, Maikammer, Diedesfeld und zum Teil noch auf Kirrweiler. Es wurde eine
allgemeine Sammlung für die geschädigten Gemeinden in der ganzen Pfalz
vorgenommen, wobei eine stattliche Summe zusammengebracht wurde. St. Martin
erhielt 25 000,- Mark zum Verteilen. Ferner wurde ein Gesuch an die königliche
Regierung gemacht um Verleihung von unverzinslichen Geldern, um die Winzer vor
dem Ruin zu schützen. Das Gesuch wurde vom Landtag und von der königlichen
Regierung genehmigt und es wurden 500 000,- Mark bewilligt. St. Martin erhielt 110
000,- Mark. Dieses Geld wurde unter die geringeren Leute verteilt, damit so mancher
Winzer vor dem Konkurs geschützt wird.
Ich habe in diesem Jahr für 360 Mark Most geerntet aus 38 Viertel Wingert. Der wenige
Wein kostete im Herbst 190- 200,- Mark pro 1 000 Liter."

Quellen:

Geschichte St. Martins http://home.nexgo.de/fjz234/Chronik/Geschichte6.html









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