Wetterchronik 1999

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Mai

Hochwasser in Kelheim und Neustadt a.d. Donau eingetragen von Mark am 22. Juni 2001

Das Pfingstwochenende 1999 brachte dem Landkreis
Kelheim ein Jahrhundert-Hochwasser. Besonders betroffen
sind die Städte Neustadt a.d. Donau und die Kreisstadt
Kelheim. Als in Neustadt der Damm bricht, bricht eine
Flutkatastrophe über die donauseitigen Gebiete der Stadt
Neustadt a.d. Donau herein.

Samstag, 22. Mai

Nachdem der Donau-Pegel rapide ansteigt, kommt erstmals
der Kristenstab des Landkreises Kelheim zusammen. In
Weltenburg strömen erstmals seit 150 Jahren die Fluten in die
Asamkirche. In der Barockkirche steht das Wasser bis zu 60
Zentimeter hoch.

Sonntag, 23 Mai

Im weltberühmten Kloster Weltenburg wird am Nachmittag
der Kampf gegen die Wassermassen aufgegeben. Beim
Versuch einen neuen Kahn vor dem Hochwasser
in Sicherheit zu bringen, gerieten vier Bewohner aus dem
Fischerdörfl in Lebensgefahr und konnten in Sicherheit
gebracht werden. Um 18.00 Uhr wird für den Landkreis
Kelheim Katastrophenalarm ausgelöst. Im Landratsamt sowie
in den Städten Kelheim und Neustadt a.d. Donau werden
Bürgertelefone eingerichtet. Die Donau überschreitet mit der
Rekordmarke von fast 8 Metern den Normalpegel um mehr als
die Hälfte. Über 700 Helfer von Feuerwehr, THW, Polizei,
DLRG- und BRK-Gruppen sowie Abordnungen von
Grenzschutz und Bundeswehr sind im Einsatz. Auch von den
Nachbarlandkreisen kommt Hilfe. Am Abend wird eine Frau in
Weltenburg, nachdem Sie eine Herzattacke erlitten hatte, mit
dem Rettungshubschrauer "Christoph 1" ins Krankenhaus
gebracht.

Montag, 24. Mai

Nachts um 1.10 Uhr wird der Damm bei Neustadt überflutet,
um 8.30 bricht er. Die Vororte Schwaigfeld, Mauern und Wöhr
werden von den Wassermassen überflutet. Auch aus Bad
Gögging müssen Bürger aus Ihren Häusern evakuiert werden.
Insgesamt sind 1500 Menschen betroffen. In der Hauptschule
Neustadt a.d. Donau werden Notunterkünfte eingerichtet. Um
9.00 Uhr Morgens wird in Kelheim die Pegelspitze von 7,95
Metern erreicht. Zahlreiche Schaulustige bringen sich durch
Dammspaziergänge in Lebensgefahr und behindern die
Arbeit der Helfer. In Kelheim überflutet das Wasser die
Regensburger Strasse und dringt in zahlreiche Häuser. Am
Abend wird in Kelheim die alte Donaubrücke wegen
Einsturzgefahr für den Verkehr gesperrt. In der Nacht geht
nach einem Kurschluß wegen des Hochwassers ein Haus in
Staubing in Flammen auf.

Dienstag, 25. Mai

In Bad Gögging wird der Deich erhöht, der Kurbetrieb ist stark
eingeschränkt. Auch in der Römerbadklinik und Trajansklinik
wird der Betrieb auf ein Minimum zurückgefahren, da die
Abwässer die strapazierte Kanalisationsanlage in hohem
Maße belasten. Die Zahl der Helfer hat sich mittlerweile auf
1000 erhöht. Durch eine bis zu 150 Meter breite Lücke wird
der Damm in Neustadt überschwemmt, Pläne die Lücke zu
schließen, aufgrund der Wassermassen und Erreichbarkeit
des Dammes, wieder verworfen. Mittlerweile sind mindestens
20 Quadratkilometer überflutet, 2000 Menschen betroffen. In
den betroffenen Gebieten steht die Flut bis zu 2,50 Meter
hoch. Bis zur Nacht haben in der Neustädter Notunterkuft 40
Personen Zuflucht gesucht. Über Neustadt liegt ein
penetranter Ölgeruch. Mit Schlauchbooten wird ein
Versorgungsverkehr eingerichtet, teilweise muß in einigen
Gemeinden das Leitungswasser abgekocht werden. Der
Bayerische Innenminister Günter Beckstein macht sich in
Neustadt ein Bild der Lage. Am Abend wird in Saal a.d.
Donau als Sicherungsmaßnahme der Hochwasserdamm
verstärkt. In der Nacht bricht vor der Schleuse Oberndorf ein
Damm, der den RMD-Kanal von der Donau trennt. In der Folge
wird eine Großbaustelle überflutet, 22 Baucontainer
mitgerissen.

Mittwoch, 26. Mai

Vormittags macht sich der Bayerische Ministerpräsident
Edmund Stoiber ein Bild der Lage. Er warnt vor zu hohen
finanziellen Erwartungen, verspricht aber Hilfe. In der
Live-Sendung "Bürgerforum" wird von Hochwasserbetroffenen
kontrovers die Informationspolitik im Vorfeld der Katastrophe
diskutiert. In Kelheim wird die Maximiliansbrücke für den
Verkehr wieder freigegeben. In Neustadt gründet sich eine
Bürgerinitiative "Hochwassergeschädigter Bürger". Die Zahl
der Betroffenen wird auf etwa 3000 beziffert.

Donnerstag, 27. Mai

Da zahlreiche Felder überflutet sind, macht sich
Futternotstand bei den Landwirten bemerkbar. Die Tiere
hungern in den Ställen. Zahlreiche Spendenkonten werden
eingerichtet. Das Hochwasser geht zurück. In Kelheim wird ein
Pegel von 601 Zentimetern erreicht. Trotzdem muß der
Katastrophenalarm aufrecht erhalten werden. Bei Sittling
öffnen Pioniere der Bundeswehr einen Polderdeich, damit die
Wassermassen kontrolliert ablaufen können. Rund einen
Kilometer vor der Schleuse Oberndorf wird nun doch ein
provisorischer Damm aufgeschüttet, der die Reparatur des
zerstörten Damms vor der Schleuse erst möglich macht.
Bisher hatte die Einsatzleitung Katastrophenschutz
interveniert, da damit eine Gefahr für die Bevölkerung von Bad
Abbach und Oberndorf bestanden hätte.

Freitag, 28. Mai

In Neustadt bildet der Kampf gegen ausgelaufenes Heizöl
einen Schwerpunkt der Einsatzkräfte. Die Polizei erhält noch
immer weiträumig Strassensperren aufrecht um die
Schaulustigen abzuhalten und die Betroffenen vor
Plünderungen zu schützen. Hierzu wird auch mit Booten Streife
gefahren. Die Diskussion, vor allem unter betroffenen
Neustädter Bürgern, ob im Vorfeld ausreichend informiert und
gewarnt wurde, hält unvermindert an. Die Opfer erhalten viel
Solidarität von freiwilligen Helfern, Firmen und Spendern. In
Irnsing wird der aufgerissene Damm repariert.

Noch Tage nach dem Dammbruch liegt über Neustadt ein
durchdringender Heizölgeruch. Vor den betroffenen Häusern
türmen sich die kaputten Einrichtungen, zahlreiche Familien
stehen vor dem Nichts. Der Schaden ist noch nicht abzusehen.



Quellen:

Das Jahrhundert-Hochwasser in Kelheim und Neustadt a.d. Donau
Harald Kloth, mit freundlicher Genehmigung
http://www.keh.net/hw/









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