Wetterchronik 1774

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19. Juni

schwere Schäden offenbar durch Windhose in Dietzenbach eingetragen von Mark am 18. Juni 2001

Anno 1774 den 19. Junii war Dom: 3. p. Trin: hat der allmächtige Gott diesen Ort abends um 5 Uhr mit einem
erschrecklichen und jedermann den Todt drohendenden Sturm Wind heimgesucht. Nachmittags um 2 Uhr sahe
der Himmel auf eine vorhergehende grasse Hitze gegen Westen sehr schwartz und fürchterlich aus, man höerte
dabey ein onaufhörliches Getöse und Donner. Nach 4 Uhr stieg noch ein Gewitter von Süd Osten auf, welches
wie Feuer und Flammen daherzog. Um 5 Uhr verdunkelte sich der gantze Horizont dabey einige Tropfen Regen
fielen. Gleich darauf aber war alles finster und dunkel und folgeten hintereinander 2 grausame Erd Stösse
welche einen entsetzlichen Schaden und Verwüstung anrichteten. Ausserdem sind daselbst alle Dächer
beschädigt worden und sehr viele Schornsteine eingestürzt, so fielen 35 Gebäude mehrenteils Scheunen,
dabey die Borngasse am meisten Noth gelitten gäntzlich über einen Hauffen. Alle noch stehengebliebenen
Häuser wanderten und wurden erschüttert so dass die Bewohner derselben in den äussersten Schrecken und
Todtes Angst versetzt wurden wie man dann nachher mit Erstaunen wahrgenommen, dass einige Häuser von
ihrem Fundament weggerückt waren. Das allerbeklagungswürdigs bey diesem grossen Unglück ist der Verlust
unserer besten schönsten und größten Obst Bäume. An die 2.000 derselben wurden theils umgeworfen theils
mit den Wurzeln aus der Erde herausgerissen und weit von ihrer Stelle weggeschlagen, theils an den Stämmen
abgebrochen und zersplittert.

Der Strich kam von Egelsbach über Götzenhain wo dieser Wind an der Kirche, Häusern und Obstbäumen
einen sehr beträchtlichen Schaden verursacht und ging nach der Bibermark über den Patershäuser Hof, allwo
er das Scheuerdach umwarf und viele tausend Bäume auch sogar die dicksten Eichen mit allem an den
Wurzeln hangenden Grund aus der Erde risse. Zwey mit Krüge und anderem Geschirr handelnde Manns Leute
hatten sich hinter eine Eiche gelegt diese wurden von derselben als sie umstürtzte todt und in die Erde
hineingeschlagen. Nach dem Unwetter sahe man hie und da Schlossen nicht zailigt sondern rund in der form
der Zucker Plätzchen liegen, darauf in der Mitte allerhand Figuren eingedrückt waren und war alles, der
Erdboden verschlammt nicht anders sahe es als wenn ein Flus ausgetreten ist und hat wieder in seine Ufern
zurückbegeben daraus ich vermuthe, dass eine Wolke sich gantz auf die Erde gesenket und durch den Sturm
wieder fortgetrieben worden.

Wir können bey diesem grossen Unglück die Barmherzigkeit Gottes nicht genugsam preisen dass er uns in so
grosser Gefahr noch so gnädig an unserem Leben verschonet. Ein einzige Frau ist an den so genannten
Trögen als sie ihr Kind so der Gänss hütete nach Hauss ruffen wollen auf dem steg von dem Wind in die Höhe
gehoben und auf den Kopf in ein nah gelegenes Gärtgen gestürtzet, dass sie das Genick zerbrochen. Es war
auch dieses Wetter geschwind vorbey und dauerte nicht länger als ohngefähr 5 Minuten. Einige Knaben so in
dem Felde waren retirirten sich im Weyerfeldchen hinter einen sehr grossen Birnbaum. Diesen schlug der
Sturm um und alle kamen Gott sey Lob unverletzet davon. O dass doch dieses schreckliche Straffgericht Gottes
einen tiefen Eindruck in die Hertzen aller sicheren und ruchlosen allhier zu ihrer wahren Bekehrung und
Besserung haben möchte, damit es ein Ursache und Mittel wäre durch einen lebendigen und thätigen Glauben
in dem Versöhnungsblute Jesu den ewigen Zorn Gerichten Gottes zu entgehen. Zum Andenken dieses
schrecklichen Sturmes ist das Geläut mit allen Glocken Sonntags um 5 Uhr von dem Aequinocio vernati bis zu
dem Aequinocio autumnati gestiftet worden.

Quellen:

0 tempora o mores, 1979
http://www.dietzenbach.de/Feuerwehr/Historie/0045_1.htm









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