Wetterchronik 1816

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Winter 1815/1816

Die Teuerungsjahre 1816/17 in Altheim bei Landshut eingetragen von Franz Attenkofer am 26. Oktober 2008

Im Jahre 1816 entzog Gott der Weise Weltregent den Feldern seinen reichlichen Segen; er erschien zur der Kornblüte im Reife (Frost), und den Sommer machte er naß und kalt. Da ward denn ein Mißjahr für ganz Europa, Rußland ausgenommen, über dieses Land schüttelte er sein volles Maaß des Segens aus. Von daher ward allen Nachbarreichen und auch unserm Vaterlande Baiern durch Zufuhr Erleichterung der Noth. Baiern hatte in diesem Jahre hinreichend Getreid eingeärntet; aber der Wucher erkünstelte einen seit Menschen Gedenken ungekannten hohen Preis des Getreides. - Gott verkürzte nicht bloß den Segen des Getreides, sondern auch das Gedeihen der grünen Früchte und des Heues, und so ward das Jahr 1817 ein Leidensjahr für die Menschheit. Das bairische Schäffel Weizen galt auf manchen Schrannen Plätzen 100 Gulden, das Korn 80 fl., Gerste 60 fl., Mischling 40 fl., Haber 20 fl. Alle Lebensbedürfnisse standen mit den Getreid Preisen verhältnismäßig im hohen Werthe. Gott ließ den Abbruch seines Segens allen Ständen fühlen, und machte die Herzen der Wucherer offenbar; der Vorhang ihrer Pläne und Gefühllosigkeit rollte sich auf. Die großen Getreidehändler hatten eine Menge Unterhändler, so waren sie immer im Besitze des meisten Getreides, und gaben im Voraus von acht Tagen zu acht Tagen den steigenden Preis des Getreides an, wie man kaufen und verkaufen will. Was kümmerten sie die Thränen ihrer Mitbürger. Das Geld ward nun ihr Gott, wucherische Spekulationen ihr Gottesdienst, und das Elend der leidenden Menschheit das Opfer. Bei diesen leidigen Umtrieben stand sich unter den Bewohnern des platten Landes der große Bauer, der verkaufen konnte, zwar gut; aber der mittelmäßige Landmann war nothgedrungen, seine Dienstboten zu entlassen, und mußte schon im Frühjahr Speis Getreid nicht selten mit ausgeborgtem Gelde kaufen; Zweirößler mußten sich oft mit Brod, ganz aus schwarzen Pferdelinsen bereitet, begnügen, und Familien die sich sonst ehrlich fortgebracht hatten, mußten öfters die Pathengelder ihrer Kinder, die Zugochsen, die Kuh, so manches andere Nothbedürfniß des Hauses dazu verwenden, um nur wieder auf ein Monat Brod zu bekommen. Noch mißlicher sah es in den Städten aus. Der Reiche durfte freilich keine Noth leiden, er konnte alle Nahrungsmittel auf dem Markte um theueres Geld haben; aber die mittelmäßigen Bürger fanden oft keine Arbeit und so keinen Verdienst, und mangelte auch dieser nicht, so war er doch nicht hinreichend, um damit das theuere Brod zu erschwingen. Da mußte denn so manches Hauseinrichtungs- und Kleidungsstück versilbert werden, um die nach Brod schreienden Kinder wieder stillen zu können. Eine Menge Handwerksgesellen wurden arbeitslos, man sah sie auf allen Straßen theils in ihre Heimat theils in ein fernes Land ziehen. Die Zahl der Armen wuchs von Tag zu Tag immer größer an, und der Bettler waren außerordentlich viele. Das tägliche Brod ward allenthalben in diesem Jahre aus einer Mischung von Weizen-Korn-Gersten Mehl sowohl von den Hausmüttern als den Bäckern bereitet; man aß mehr als sonst, ward satt, aber bei allem Essen war man matt und müde.Jene, die anfangs lauter Kornbrod assen, taumelten wie Rauschige, wurden krank, aber doch bald wieder gesund; und Gott haben wir es zu danken dass in diesem harten Jahre bei den vielfach veränderten Nahrungs Genüssen gar keine Krankheiten herschten.Andere Länder, die diesen Getreide Boden nicht wie das gesegnete Baiern haben, litten überaus viel; so manche Familie der es an Speisegetreide, Geld und Kredit gebrach, auch bei ihren armen Mitbürgern nicht um Brod zusprechen konnte, nährte sich von Wurzelkost; ja man las in öffentlichen Blättern, daß hungrige Arme das Fleisch von gefallenen Vieh an sich rafften und verzehrten, und daß so mancher entkräftete Hausarme, der nicht mehr die Hülfe des Mitleids in Anspruch nehmen konnte, als Opfer des Hungers starb.
Da hat endlich Gott das Umhilferufen seiner Menschenkinder erhöret, und ist als unser Brodvater ins Mittel getretten; schüttenden Gedeihen und Segen über die Fluren herab , gab wieder ergiebige Getreidefrücht und Brod, und trocknete mit mitleidsvoller Vater Güte die Thränen von unsern Augen ab.Eine gemeinsame recht herzliche Freude bemächtigte sich der Herzen aller Blutgesinnten beim Unblick der von Gottes Hand behüteten und nun bescherten reifen Kornfrüchte.Um nun das Leiden vom Jahr 1817 und die Freude über den neuen Ernte Segen, darauf man schon mit der Drischel auf der Tenne wartete, im Andenken bleibender zu erhalten, ward der so heißersehnte Ernte Tag der Pfarrei durch eine religiöse Feierlichkeit am 9. Sonntag nach Pfingsten /: den 27. Julius :/ geheiligt durch nachbeschriebenes Erntefest. .................

Quellen:

Königlich baierische Pfarrei Altheim (Taufbuch)
Und Johann Pollinger:"Aus Landshut und Umgebung"(1908).









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