Wetterchronik 1709

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Februar

Eishochwasser in Bresslau eingetragen von Mark am 28. August 2004

Anno 1708 trat der December mit Schnee und hartem Frost ein, welches gedauert bis auf den
12. Februarii, da sich die grosse Winerkälte in etwas gelindert, und den 13. Februarii zu regnen
angefangen, bis auf den 14. huj. da ist vom Regen und Schnee ein grosses Wasser 4 Ellen und 4 Zoll
hoch gekommen. Zu Brieg ist es durch die Mühlen gegangen, und auf der Pohlnischen Seithe ausgetreten,
Neudorff und andere Dörffer unter Wasser gesetzt, dass man des Nachts an die Glocken geschlagen, damit
sich jedermann salvieren konnte. Es hat von Brieg in 4 Tagen niemand weder zu Pferde noch zu Wagen, viel
weniger zu Fuß fortkommen können; Das Thauen hat mit untermischtem Regen die Fastnacht-Woche durch
gewähret. Das erste Haupt-Wasser kam in der Woche Invocavit, da denn das Wasser durchs Sand-Thor herein
bis ans St. Vinzent Kloster getretten. Den 17. Februarii fing das Eis bei Breslau an zu gehen, continuirte
3 Tage und Nächte, das Wasser breitete sich gar sehr weit aus, das Ober-Eis rückte bis zur Neuscheitniger
Überfuhr, allwo es diesmal stehen blieb, das Wasser aber, und grosse Eis ruinierte die meisten Eis-Böcke. Vor
dem Ohlauischen Thore ist es über die Dämme in die schwarze Ohle gedrungen, alle Gärte daselbst, nebst dem
Schweidnitschen Anger unter Wasser gesetzt. Endlich gar in den Stadt-Graben gedrungen, viel Sand gegen die
Taschen-Pastei geführet, ein groß Loch in das Ufer gemacht, dass das Wasser wie ein Wär hinein gelauffen.
Bei dem Mäuse-Teiche ist der Tamm beim Stadt-Graben druchgerissen, und beim Niclaus-Thore ist es so hoch
gestiegen, dass es aus dem Graben übers Ufer in des Tit. Pl. Herrn Sachs von Löwenheim Garten und in den
Rähm Garten gedrungen, ibs es allda durchgebrochen, und in die Oder gekommen. Bei denen Weiß-Gärbern ist
das Wasser in ihren Werckstätten 2 Ellen hoch gestanden, den 21. Februarii ist das Eis stehen blieben, zu
Mittage hat es angefangen zu schneien, und die ganze Nacht durch gewähret, folgenden Tages hats stark
gefrohren, dahero keine Mühle mahlen können, kein Mehl zu bekommen gewesen, und grosser Mangel am Brodt worden,
bis den 3. Martii über 100 Schlitten mit grossen Tonnen Mehl von Brieg kommen, da der Mangel in etwas nachgelassen;
Nachdeme auch hier viel gutherzige, und wohlhabende Bürger ihren Vorrath an Mehl aufgethan, Brodt nach dem
Becker-Gewichte backen lassen, und im Kauffe wolfeiler denen nothleidenden Armen, als die Becker hingelassen;
Es ist ein Elend zu sehen gewesen, wie das arme Volk schon fruhe um 4 Uhr, und manchmal 3 Stunden vor den
Bäcker-Häusern in der grimigen Kälte, und Schnee gestanden, und allda auf das Brodt, bis es aus dem Ofen
gekommen, gewartet, und sich wohl offt gar darum geschlage, dass grosse Brodt ist damals 2 Sgl. 9 Heller
gewesen, die Bürger aber die da haben backen lassen, habens um 2 Sgl. hingelassen. Vom 22. bis 25. Februarii
ist das Wasser auf 5 viertel Ellen gefallen, hat dabei aber immer stark geschneiet. Nach diesem ersten Wasser-Fall
sind viel 100 Fuder Eis in denen Mühlen liegen geblieben, welches die Fluth hinein geschwemmt hatte, dazu sind
36 Personen zum Ausräumen verordnet worden, welche etliche Tage damit zugebracht. Den 26. sind 4 Malz-Gänge
wieder in Gang gebracht worden, und in der Neu-Mühl ein Gang. Den 28. Februarii sind in der Mittel-Mühle,
und Vorder-Mühle die Müller-Gänge wieder gegangen, haben aber wenig vollbracht. Bei diesem Frost ist das
Grund-Eis stark fort gegangen, und die Schleussen bei der Neu- und Pappier-Mühle zu gemacht worden, nach
diesem hat es 4 Tage heftig aneinander geschneiet, dass auf dem Lande kein Mensch weder gehen, reiten, noch
fahren können, auch die Posten deshalb 3 bis 4 Tag später angekommen, man hat überall von grossem Unglück,
und auf den Strassen erfrohrenen Leuthen gehöret. Den 1.,2. und 3. Martii hat es Vor- und Nachmittags stark
gethauet, den 5. und 6. Dito damit continuiret, und mit dabei etwas geregnet, den 7. und 8. dito wieder
stark gefrohren, den 14. dito wieder gethauet, und des Nachts stark gefrohren, den 20. dito ist das Wasser auf
10 Zoll gefallen, so dass nicht mehr übers Wär gelauffen, das Eis hat in den Wäldern am jungen Holze grossen
Schaden gethan. Den 21.,22.,23. und dann den 26.,27. dito hat das Wasser angefangen stark zu wachsen, dass das
Eis hinter dem Dohm fortgegangen, welches theils 3 Ellen, und ein viertel stark gewesen. Am grünen
Donnerstage fruhe in der Nacht ist das Wasser 2 Ellen weniger ein Zoll gewachsen, dass es durch die Mühlen
gelauffen, hat dabei aber mit gefrohren. Das Eis ist aber bei Scheitnig nach stehen bleiben. Den 28. Martii
ist allererst das grosse Haupt-Wasser kommen, und hat noch immer gewachsen bis auf den 31. Martii als
am Heil. Oster-Tage ist das völlige Ober-Eis gegangen unter der Ambts-Predigt, und hat angefangen die Sand-Brücke
hart am Thore Stückweise mitzunehmen, wie auch den Eis-Bock, welchen es mit dem Pfahle aus dem Grunde gehoben,
und gleichsam tantzende im Strohm fort geführt. Dabei sind 2 grosse Steine, womit die Brücke beschwehret gewesen,
in den Strohm gefallen, an der Dohm-Brücke hat es ein Stücke mit der ganzen Lähne weg gestossen, das andere ist
abgeräumet, und am Oster-Dienstage wieder beleget worden, dass man darüber gehen können; An der mittelsten Sand-Brücken
hat es einen Prahmen, und ein Stücke Lähne weggedruckt; auch ein Stück Ufer weggerissen, bei der aussersten Sand-Brücke
hat es etliche Prahmen weggestossen; Bei der Oder-Brücke hat es 19 starke Eis-Böcke weggestossen; an der Huren-Brücke
1 Joch Pfähle, und 2 Felden weggenommen, nach Mittage hat es ein Joch Pfähle, und 2 Felder vollends von der Sand-Brücken,
und bei der fordern Schleiffe beide Strep-Hölzer weggerissen, ingleichen bei der Tuch-Walcke-Pappier und Neu-Mühle
ganz neue Strep-Hölzer, auf dem vordern Wäre die Pfähle unter den Jöchern zerbrochen, die Rade-Stube bei der Pappier-Mühle
zerrissen. daselbst ein Noch Pfähle bei der Schütze bis ans Fenster durchgestossen. Das Rad an der Tuch-Walcke hat es mit
der Welle herüber gezogen, in der Höcke-Mühle, die 8 Tage zuvor ganz neu, und mit grosser Arbeit gemacht worden, hat
das Eis den grossen Rechen in 40 Pfählen bestehend, durchbrochen, den Rechen bei der Kunst, und alle 14 Räder, imgleichen
eine Welle mit dem Kamm-Rade weggenommen, und bis vor St. Nicolai geführet, die Brücke bei der Schleiffe bis zur
Neu-Mühle ganz runiniret, die Oder Brücke bei dem Klingel-Hause hat angefangen zu sincken; In der Stricker-Walcke hat
es den Stock, sambt den Jöchern und Diehlen weggerissen, so zu Pöpelwitz wieder bekommen worden. Der Schleiffer-Polier-
Weißgärber- und Tuch-Walcke-Satz, sind alle zerrissen worden. Alle Mühlen sind voll Schlamm gelegen, in der Werder-Mühle
eine halbe Ellen hoch, dass 6 Personen in jeder Mühlen bis 2 Tage daran heraus zu räumen gehabt. Den 1.,2. und 3. April
ist das Wasser einer Ellen gefallen, folgende Tage ist es bis den 15. dito noch immer wieder gewachsen, den 16., 17.
und 18. hujus ist es auf eine und eine halbe Ellen gefallen: Den 22. dito 3 Viertel, den 23. April des Morgens um 9 und
10 Uhr sind 4 Becker-Kasten in der Vorder-Mühlen mit dem meisten Waitzen in die Oder gefallen, weil das Eis alle
Pfähle, und Prahmen unten weg gestossen, und wenn das Gebäude nicht zuvor mit 2 Ketten angehangen worden, so wäre
die Helfte herunter gefallen. Hierauf ist das übrige durch die Becker, Schrott-Träger, und ihr Gesinde ohne Schaden
heraus getragen worden. Dir durch diese Eis-Fahrt ruinirte Brücken, sind auf Löbliche Anordnung Ihro Gestrengkeiten
dem Tit. Pl. Herrn Hans Christian von Roih, als damals gewesenen Bau-Herrn anjetze Hochmeritirtem Herrn Präsidi, auf
das baldeste repariret worden. Die Huren-Brücke ist um eine Ellen erhöhet worden, die Felder auch weiter auseinander
gesetzt, damit das Eis seinen freien Gang haben kann. Imgleichen ist die Sand-Brücke auch erhöhet, zwei Spann-Wercke
gemacht, und mit Steinen gebrückt worden. Die Pfähle bei der Huren-Brücke sind a 4 Ellen tieff in die Erde gestossen
worden. Denen Kretschmern hat dies Wasser 16 Stösse Holz weg geschwemmet, und weil die Brücke zun 7 Raden durch
diese grosse Eis-Fahrt, und Wasser-Fluth sehr baufällig worden: So ist selbige Annoo 1710 den 28. October von einem
ganzen löblichen Bau-Ambte besichtiget. Und den 29. hujus von neuen höchstnöthig zu Bauen resolviret worden. (...)



Quellen:

Ausführliche Beschreibung derer großen Schnee, Eis-Fahrten, und davon entstandenen erschröcklichen Wasser-Flutten (...) um die kais. und königl. Stadt Breßlau
Daniel Somolcken, 1736









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