Wetterchronik 1860

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27. August

Schweres Hagelunwetter in Leipzig eingetragen von Mark am 24. April 2004

Da ganz am Schlusse der Ernte nach dem 27. August 1860 an einem seit langer Zeit wieder einmal warmen und schönen Tag am schon hereindämmernden Abend zwischen 6 und 7 Uhr zog ein furchtbares Wetter auf und entlud sich von Korbetha in Thüringen in eine westliche Richtung bis gegen Oschatz mit zwar kaum je dagewesenen Hagel- und Schloßenmassen. In Leipzig rechnete man den Schaden, was Fenster, Dächer und sonstigen Dingen, als den Zimmern der Wetterseite, an Vorbauten und Spiegeln zwischen 2 3 Millionen Talern. Es waren wahre Klumpen Eis, die herabkamen, bis , ja bis Pfund schwer. Unser Dorf wurde von dem Wetter nicht ganz so schwer getroffen wie andere Orte, als z.B. Panitzsch. Wo nach der Wetterseite hin kein Fenster und kein Dachziegel ganz blieb. Der Besitzer des Gasthofes Panitzsch berechnete seinen Bedarf auf 80.000 100.000 Dachziegel, oder Engelsdorf wo man allein auf die Pfarrgebäude 40.000 Ziegel brauchte. Trotzdem mußte alle Dächer umgedeckt werden, die nach dem Westen lagen und der zerbrochenen Ziegel sind auch das ist der Umstand, auf das ich aber hinwies, daß sich an ihm unser Zögern nützlich erwiesen haben. Durch dieses Schloßenwetter würde vielleicht das kaum Reparierte zum Teil wenigstens wieder zu reparieren gewesen sein (Kirche). Namentlich hat das obere Dorf gelitten, im Unterdorf waren die Schloßenstücke viel einzelner gefallen. Desto dichter aber längs des Strichs von Cunnersdorf an der Drehse hin nach Machern zu war man auf den Feldern, auf dem immer noch mancher Ernteüberstand stand, als Hafer, Erbsen, Wicken, gar nicht einmal die Fruchtart zu erkennen vermochte, ja sogar das Grummt auf den Wiesen unbrauchbar geworden, und die ganze Erde mit Löchern und Vertiefungen überdeckt zu hier und da der Rasen förmlich abgeschält war. Infolge des anormalen Bedarfes an Ziegeln gingen sowohl diese als auch die Arbeitslöhne bedeutend in die Höhe. Man hat sogar in Leipzig für das 1000 Dachziegel 25 Taler verlangt und bezahlte dann auch nach. Nach dem Wetter dauerte der Regen fort und regnete namentlich in der darauffolgenden Nacht maßlos. Der Ziegeldecker erhielt in Leipzig bis 2 Taler täglich dazu auch noch die Kost. Es sollten laut Zeitungsnachrichten gegen 500 fremde Ziegeldecker und Glaser in Leipzig beschäftigt gewesen sein. Anfangs hieß es sogar, als wenn einige Menschenleben zu beklagen wären, und wer dies Wetter mit angesehen hat hielt dies auch für sehr glaublich. Später stellte sich aber Gott sei Dank als Unwahrheit heraus.

Quellen:

Chronik aus der Kirchturmkuppel Grichshain
Geschrieben von Pfarrer Gustav Adolph Leupoldt am 22. 10. 1860
http://home.t-online.de/home/striegler/Kirche/









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