Wetterchronik 1740

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Winter 1739/1740

Harter, langer Winter eingetragen von Mark am 27. Januar 2004

In diesem 1739 Jahre fing es zeitig, noch vor Martini, an zu frieren, und war die Kälte ein paar Mahl fast
unleydlich: In der Franckfurter Martini-Messe fiel so viel Schnee, daß die zurückreisenden nicht Weg noch
Steg finden, und vor dem aufgehäuften Schnee nicht fortkommen konnten. Welches wohl eine Vorbedeutung des
übergroßen langen und allen Vorrath mitnehmenden Winters des folgenden merkwürdigsten Jahres gewesen.
Auf das 1740te Jahr mag ein omineuses Chronostichon ex virgil. Aeneis. Libr. 3 gelten: ..., ...,
MIseranDaqVe Venlt arborIbVsqVe, satIsqVe LVes aC Lethlfer annVs.[54]
Denn fast alle Saat auf dem Felde und das Obst und Bäume sind verfrohren und 4 der höchsten Häupter von
Europa sind gestorben.
Gleich nach dem neuen Jahr fing es dermaßen an zu frieren, daß dieser Winter dem vor 30 Jahren nicht allein
gleich, sondern es ist die Kälte auch zu 2 Mahlen als den 20. Jan. und 7. Febr. an einigen Orten in
Deutschland etliche Grad höher, als 1709 gewesen. Man mag diesen Winter denen in diesem Seculo als 1709; -16,
-29 und -31 durch Gottes Gnade überstandenen Wintern, in Ansehung seiner Dauer, und beständigen Anhaltens,
wohl mit Recht, den großen langen, und durch gantz Europa auf lange Zeit, Andenkenswürdigsten Winter nennen,
in dem Frost, Kälte und Schnee bis in den May-Monath angehalten. Menschen und Vieh, alle Saat vom Waytzen, an
den meisten Orten, die meiste sonderlich Roggen Saat (die bald nach Mich.[55] gesät worden) der Weinstock,
die Nuß-, Pfirrsig-, Flieder- und weißen Maulbeerbäume, der grüne Kohl, die Rapüntzel, Petersilge etc. sind
verfrohren. Als den 4. Maj noch eine große Kälte mit vielem Schnee einfiel, verfrohren im Bruche und bey
Lebus, Pferde und Menschen. Und da den 22. und 23. Juni noch ziemlich kalte Nächte waren, sind auch die
wenigen Erd Früchte: als Bohnen, Kürbisse etc. verfrohren. Es entstand daher bald nach Ostern, und da biß
Joannis[56] kein Gras gewachsen, ein großer Mangel an der Futterung vors Vieh: Strohl und Heu war fast nicht
mehr zu bekommen, das Fuhder Heu galt für 10 und mehr Thaler, das Schock Stroh 10-12 und mehr Thaler. Die
Schäfereyen stürben an einigen Orten über die helffte, an einigen gäntzlich aus, und das Rind-Vieh verdorrete
fast. Einige Saat kam erst mit Ausgang des May-Monaths hervor, und Medio Juni kamen erst die Aehren hervor,
und gegen den 6. 7. und 8. August ließ es sich erst zur Roggen-Erndte an. Und da war nun auch alles an
Brod-Korn unter Menschen verzehret. Aber man hatte kaum angefangen zu mähen, als Gott beständig, alle Tage,
biß zur Helffte der Erndte, regnen ließ. Daher die armen Leute auf dem Lande gezwungen wurden, die nassen
Garben in die Backöffen zu legen und dann auszudröschen, damit sie nicht vor Hunger stürben. In großen Städen
aber, als zum Bsp. in Berlin, ist die Hungers-Noth desto größer gewesen. Und solcher Mangel hat auch
sonderlich in Städen von gantz Europa continuiret bis Martini, und Advents-Zeit hin, in welcher Zeit der
Roggen bis auf 1 rt. biß 28 gr der Scheffel, der Waytzen aber biß 3 rt. gestiegen. Nachdem man aber
angefangen zu dröschen, hat der Roggen durch Gottes sonderbahren Segen, dennoch wohl gelohnet, und obleich
wenig Stroh, so ist dennoch kein so gar großer Brod-Mangel gewesen. Die Sommer Erndte war hierherum fast biß
Michael. an anderen Orten aber, haben einige, da es den 4. Octob. schon wiederum frostig, unter dem Frost
harcken, und erndten müssen, wie dann überhaupt in diesem Jahr die Arbeit aus einem in das andere Feld,
unordentlich durcheinander gelauffen. Obst sonderlich Pflaumen waren überflüßig an den Bäumen, und da in
diesem Jahre wegen Mangel des Futters, und Grases vor der Erndte keine Butter, und Käse, oder doch nur wenig
gemacht worden, so wäre hier das Pflaumen Muß wohl zu statten kommen. Aber die Kirschen wurden erst gegen
Bartholomai, und die Pflaumen nicht gäntzlich reif, und durch den zeitigen Frost im October verdorbet, wie
denn auch die meisten alten Pflaum- und andere alte Obst-Bäume mit vertrocknet, und ausgegangen sind. Sonst
ist auch in diesem Jahre, um Michael aus, an manchen Oertern, von dem Gewitter mancherley Schaden verursacht
worden.

Quellen:

Görlsdorfisches Kirchenbuch
http://mielke.matthias.bei.t-online.de/GOERLSDORFFISCHES%20KIRCHENBUCH.htm









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