Wetterchronik 1738

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27. Mai

Überschwemmung nach Wolkenbruch in Almstedt, viele Tote eingetragen von Mark am 25. Januar 2004

Die große Wasserflut

Nach Aufzeichnungen von dem Sehlemer Bürger Joh. Heinrich Grobe (1839):
Am dritten Pfingsttage, dem 27. Mai 1738, entlud sich hier über den Dörfern des früheren
\"Gelenberger Goe\" im Amte Winzenburg und \"Stift Hildesheim\" ein gewaltiges und
schweres Hagelgewitter. Durch die hierdurch entstandene Flut mußten viele Menschen und
Vieh ihr Leben lassen.
Die hiesigen Einwohner glaubten, ein \"Gottesgericht\" wäre über sie hereingebrochen,
denn \"Pest, Theuerung und
Feuersbrunst sind gar harte Plagen, reichen jedoch nicht an die Flut mit ihrer plötzlichen
Gewalt und Not\".
Das Gewitter zog sehr schnell über Petze und Sibbesse auf, brach gegen 5 Uhr
nachmittags mit Gewalt los und dauerte etwa bis 7 Uhr abends.
Vom fast schwarzen Himmel zuckten gewaltige Blitze, und wie aus Mulden gegossen,
stürzte das Wasser mit nie gesehenen Hagelmassen zur Erde. Äste wurden von den
Bäumen geschlagen und das ganze Winter- und Sommerfeld böse verwüstet.
Die Erde ist durch die Wassermassen fortgespült, so daß sich Löcher und Furchen von
etlichen \"Ruhten\" Breite und 3 bis 4 Ellen Tiefe ergaben. Auf den Talwiesen lagen Hunderte
Fuder Steine und Grand. Die Hauptwege
waren derart mit Morast überschüttet, daß sie sehr lange Zeit nicht zu passieren waren. Die
Fensterscheiben waren fast alle zerschlagen, und Zäune und Bäume mußten der Flut
weichen.
Am meisten wurde das Dorf Almstedt betroffen. Die Traurigkeit und Not ist kaum in Worte
zu fassen. Durch die Flut wurden elf Häuser, drei Scheunen und viele Ställe niedergerissen
und samt Bäumen bis Breinum und östrum gespült. Große Eichen und Twisselbäume
brachen gleichfalls um. Auf dem adeligen Hofe \"von Rheden\" sind alle Mobilien, die neue
Scheune, die neue Mauer, Backhaus und Ställe mit dem Vieh weggerissen.
Die Personen, die in dieser Flut ertrunken, sind: Conrad Thielemann nebst Frau und
Tochter. Hans Heinrich Stoffregens Frau mit zwei Kindern, seines Bruders Frau, von
Sehlem gebürtig, mit zwei Kindern samt Haus und Hof. Die Müllerstochter von 16 Jahren
ist auf einem Weindenbaum ertrunken. G. Lampens Frau. Der Riegemann Wunstorf sah vom
Berge, wie seine Frau und Kinder weggerissen wurden, ohne helfen zu können. Christoffel
Stahl mit Frau, Tochter und ganzem Hause. Bartold Hanens Ehefrau, Kind und ganzem
Hause, nebst einer Witwe mit Tochter, so im Hause wohnten. Hermann Raschens Frau,
dessen Kind wunderlich gerettet. Ernst Knacksterdts Frau mit Kind und ganzem Haus. Des
Andreas Müllers Frau, Kind und Tochterkind. Er selbst war auf das Hausdach retirieret und
wurde mit der Flut bis in die Masch getragen, wo er mit dem Leben davonkam.
Zu östrum ist ein Haus weggerissen und 18 sind nebst einer Brücken und Mühle ruiniert. 6
Pferde, 57 Hornvieh und 14 Schweine sind auch ersoffen.
Unvermuthet brach die Flut in den Flecken Salzdetfurt ein. Bis drei Ellen hoch kam die
Flutwelle mit viel Holtz und Planken, die gleich die vier \"Saltzkathen\" an der Lamme
gelegen fortrissen. Der Schäfer rief vom Berge: \"O Water, 0 Water, Bargan, Bargan!\"
doch die Leute verstanden ihn nicht und wurden vom Wasser überrascht. Einige hatten
sich in die Kirche geflüchtet und mußten auf den Turm, denn schnell stand das Wasser 6 Fuß
hoch in der Kirche. Das Wasser stund bis an den 2. Stock der Häuser, bei einigen bis ans
Dach. Gegen 7 Uhr fiel das Wasser und da man um 9 Uhr abends den Boden betreten
konnte, fand man nur Schlamm, weder Essen noch Trinken.

Die ihr Leben hier drin geendigt, sind: Hanß Heßen, ein Mann von 77 Jahren. Er läuft ins
Haus in die obige Kammer und wird doch vom Wasser ergriffen. In dieser Kammer schlief
ein Kind aus Hildesheim, Herrn Bösen Sohn von 5 Jahren, welches gleichfalls mußte im
Wasser seinen Geist aufgeben. Anna Dorothea Ledderhaus, Ernst Gudewills Witwe von 95
Jahren, sitzend auf ihrem Bette, wurde vom Wasser durchs Fenster getrieben. Christoph
Becker und dessen Frau Ilsabe 46 Jahre wurden vom Holtz unters Wasser gedrückt.
Heinrich Nauen Frau 66 Jahre. Klages Warneken Tochter 19 Jahre, 2 Söhne von 5 und 2
Jahren. Eva Stoffregen 77 Jahre alt. Caspar Täsings Sohn von 4 Jahren wurde beim neuen
Krug ergriffen. Frantz Fäsings Frau von 66 Jahren nebst ihrer Tochter Kind von '\3/*
Jahren. Christof GIejen, ein Mann von 79 Jahren.
In wunderbarer Weise, wurde in dieser großen Wasser-Noth der Hildesheimer
Stadtschreiber gerettet, der in der Fensterbank vom neuen Kruge zwei Stunden lang bis an
die Schulter im Wasser gestanden. Auf einem Birnenbaume haben sich 13 Personen
gerettet. Ein Knabe von 9 Jahren kommt bei der neuen Mühle angeschwummen, der Müller
konnte ihn mit einem Eisenhaken nicht erhaschen, bleibt aber doch an einem Baum hangen
und fristet sein Leben.
In Salzdetfurt sind an Vieh 10 Pferde, 116 Stück Hornvieh und 29 Schweine ersoffen. Von
den Saltzkothen sind 16 stehen geblieben und ebenso viele vernichtet. 178 Häuser sind
stark beschädigt. 7 Saltz-pfannen sind aus den Kothen über hundert Schritt weggeflossen.
Alle Brunnen sind voll Schlamm. 7 Brücken und 1 Mühle sind gäntzlich verdorben. Der
Schaden des in den Kothen geschmolzenen Saltzes wird auf 510 Thaier gehalten. Der
Schaden an vernichteten guten Holtz auf 3000 Thaler.
Diese Wasserfluth
hat auch in Wesseln 4 Menschen, 14 Kühe und 23 Schweine vernichtet. Auch in Klein
Düngen sind noch viele Gebäude ruinieret und 30 Schweine ersoffen.
Die Menschen mögen hieran lernen, wie groß der Zorn Gottes über die Sünden der
Menschen sey und wie bald er den Menschen könne dahin raffen. Die Zahl der ertrunkenen
Menschen und Vieh sind soweit bisher bekannt, nochmals erwähnt.
Menschen: 73, Pferde: 34, Hornvieh: 205, Schweine: 163, Schafe: 74, Gänse: 300.

Quellen:

WehrstedtOnline
http://www.ibukis.de/wehrstedt-online/CoMa.php?CoMa=KapitelDrei#titelanker4









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