Wetterchronik 1634

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11. Oktober

Bericht aus Holstein zur Sturmflut eingetragen von Mark am 25. Januar 2004

Was man täglich in den Kirchen lehret und höret/ wird von den meisten Leuten wenig an acht genommen/ dahero auch die Straffen nicht aussen bleibe/ und ist unzweifflich der Jüngste Tag nicht weit/ welchen der Allmächtige mit gnaden senden wolle/ und weil Krieg und Kriegsgefahren aller Orten im schwange gehen/ Als haben sich die Wasserwogen alhie in Hollstein auch erhoben/ und unaussprechlichen Schaden gethan/ welche die Dörffer und Kirchen weggeführet/ also daß man nicht sehen kan/wo eins oder das ander gestanden hat. Den 11. Octob. zwischen Sonnabend und Sontag in der nacht/ Nachdem der Wind ein zeitlang oder etliche Wochen aus dem Osten gewehet/ hat er sich gewendet/ und weil eben eine Springfluth mit dem Neuen Monden angerrückt/ aus dem Westen gesauset und geblasen/ als wolte Himel und Erden in einander fallen/ und hat sich die Elbe und See also erhaben/ daß es über die Teiche oder Thämme etliche Elen hoch gegangen/ und viel Länder ganz unter Wasser gesetzt/ Im Strande sein etliche 1000. Menschen/ ohne das Viehe geblieben/ eigentlich kan mans noch nicht wissen/ viel sagen glaubwürdig/ dass bei 2000. albereit begraben sein/ und weil man mit dem Viehe/ so noch das Leben erhalten/ nach dem festen Lande nicht kommen können/ Dann das Brackwasser allenthalben ist und sie / weil nichts zu essen und trincken gewesen/ vergehen mussen / die Ockeholmers Kirche ist ganz weggetrieben / und beim langen Horn liegen blieben / da sein über 300. Menschen Alt und Jung / auch der Prediger geblieben / und etliche 100. Stück Viehe/ Faroltofft ist auch mit Priester/ Volk und Viehe meist untergange/ Nach dem Marschlande zu lieget nichts als Heu/Korn/todte Menschen und Viehe/ zerbrochene Häuser und Hausgeräth. Viel Schiffe so durch die Länder und Teiche getrieben / liegen auff der Geest im Sande / und müssen in Stücken geschlagen werden / weil es unmöglich sie auff die Ströme zu bringen. In Eiderstedt und Westen Ditmarschen an den meisten Orten / da 100 Menschen gewesen / sein keine 10 zu finden / die Elbe hinauff (was die Augen nicht sehen / wil das Herze nicht glauben) ists also gestalt / dass kein Teich und Tham mehr ganz ist / und sein Löcher zu 10 12 und mehr Bathen eingerissen / so viel tausenden zu repariren kosten werden / und werden viel Länder wegen Mangel am Volck und Darstreckung des Feldes müssen liegen bleiben/ Ich bin der Meinung daß viel Örter unbebauet bleiben werden / Viel Leute weil es Nacht gewesen / und von dem Wasser überrascht worden / haben sich auff die Häuser begeben / welche nacher umbgetrieben / sein neben Frau und Kinder ins Wasser gefallen/ und also umgekommen. Theils so auff den Stroh- und Kornhauffen gesessen (welches zuverwundern) sein hin und wieder angetrieben / und das Leben erhalten / Hunde haben ihren Todten Herrn gefolget und sie gesucht zu erretten / Mutter und Kind sein todt beisammen gelegen / In Summa der Zustande ist also beschaffen / dass in Kürze nicht alles zu beschreiben. Die Werke / Schleusse und Brücken zu der Glückstadt haben auch grossen Schaden erlitten und sein ettliche Schiffe auffs Land kommen / und ist das Land ganz unter Wasser / Und ist zuverwundern / wie solches innerhalb so wenig Stunden geschehen kan; Was Schaden es um und in Hamburg gethan / wird er von daraus vernehmen. Daß der Schaden so groß / viel Menschen und Viehe so jämmerlich in so kurzer Zeit geblieben / ist gewesen die finstere Nacht und übereilung des Wassers / dann innerhalb zwei Stunden solches alles geschehen ist / und kan niemand begreiffen / weil nur etliche Stunden der West-Wind angefangen / wie solches geschehen kan / nicht ohne ist es / es ist von dem Allmächtigen uns zur Strafe geschehen /Derselbe gebe bußfertige Herzen / daß wir uns bessern mögen. Viel sein der Meinung / daß ein Erdbeben dabei gewesen / und das Wasser aufgeworffen haben / Der allein Weiser / gnädiger barmherziger Gott erbarme sich unser / sehe uns mit seinen Väterlichen Augen an / behüte ferner vor allem Unglück. Vergangenen Sommer war das Feld voller Mäuse / welche grossen Schaden im Getreide gethan / Anjetzo erzeigen sich an etlichen Örtern viel Schlangen von 8 und 9 Schuhen lang / ob sie mit dem Wasser angekommen sein / oder vor dem Wasser gelauffen / ist Gott bekandt / und werden viel Leute an der Gräntze damit geplaget.

Quellen:

Titel:
Bericht auß Holstein Von Dem grawsamen Sturm und uberauß schnellen hohen Wasserfluth/ so den 11. Octobris in der Nacht geschehen
: was vor uberauß grosser Schade/ Jammer und Elend an Menschen/ Viehe/ Kirchen/ Häusern/ Teich und Damme sich begeben ...
Erschienen:
[S.l.], 1634
Kollation:
[2] Bl. ; 4

Gattung/Fach:
Flugschrift


Exemplar(e):
<23> Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek
Signatur:
240.35.3 Quod. (9)
http://www.vd17.de









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