Wetterchronik 1690

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zum Jahr

Gewitterreicher Sommer eingetragen von Mark am 18. Januar 2004

Vom 8. bis 21. Juni haben die Astronomen in ihren Tagebüchern heftige Gewitter vorhergesagt, weil Mars, Jupiter und Merkur in das Haus des Löwen eingegangen. Weil auch sonst zur selben Zeit verschiedene böse Aspekte und gefährliche Konstellationen sich ereigneten, so hat es meistenteils eingetroffen, besonders wo der Strich hingegangen, und sind also diese Zeit über sehr gefährliche Gewitter erfolget.

Den 18. Juni kamen Nachmittag verschiedene Gewitter über der Stadt zusammen, die etliche Stunden mit ziemlichen Blitzen, Donnern und Regen angehalten, bis abends nach 10 Uhr, da es in den Kirchturm geschlagen und zündete, aber durch den sanften Regen selbst wieder gelöscht wurde.

Den 21. Juni zogen sich gegen 12 Uhr zu Mittag am Sonnabend vor den 1. Sonntag nach Trinitatis verschiedene Gewitter über der Stadt zusammen, es fing gegen 1 Uhr so heftig an zu donnern und blitzen, als vorher nie gehört, schlug erst am Markt, in Frau Autenleckin Haus und sofort nebenan, unter der Frau Bernhardt Eckartin Haustür, schlug einen Mann aus Böhmen, Christoph Hänig, aus der Herrschaft Preßnitz, ganz tot, und einen Mann und eine Frau verletzte das Wetter an den Armen und am Leib, daß sie etliche Wochen unter hiesigem Bader in der Behandlung bleiben mußten, der getötete Körper aber ward sonntags ohne Kosten abgeholt. Ferner schlug es in Michael Köglers, Fleischhauers Haus, der Mangel gegenüber, zündete aber nicht, dann in der Kleinen Kirchgasse in Georg Törpens Haus, und durch die Wand in der alten Weckelin Haus. Endlich mit grausamer Gewalt und Feuer wieder oben in den Turm, ohne Zündung, doch so heftig, daß es etliche große Balken und Hölzer zerschmetterte. Es geschahen wohl 15 große Donnerschläge, welche alle hie und da einschlugen, aber Gott sei Dank! doch ohne weiteren Schaden, dergleichen Wetter niemand eingedenk.

Den 13. Juli war ein starkes Gewitter. Nachmittag, bei heißer, schwüler Luft, schlugs um 4 Uhr in Scheibenberg ein, verbrannte 5 Scheunen, man konnte es hier sehen, mit Rauch und Dampf am Himmel herwalzen, als es vom Turm durch das Feuerhorn gemeldet wurde.

Den 14. Juli ward allhier Nachmittag um 1 Uhr abermals ein heftiges Gewitter, schlug vor dem Wolkensteiner Tor, in der Frau Meyerin Gartenhaus, neben einem Baum in die Erde nieder, mit großem Knall und Krachen.

Hierauf folgte den 15. Juli ein sehr harter Stand und beschwerlicher Tag, nicht allein wegen großer Hitze, sondern auch, weil es früh von 4 Uhr an, bis Abend nach 4 Uhr aneinander gedonnert und geblitzt, und immer ein Gewitter das andere gejaget hat. Zweimal hat es auch eingeschlagen, nämlich in einen Wasserbottich in der Wolkensteiner Gasse, den andern Wetterschlag hat niemand erforschen können, wo er hingeraten. Dem Höchsten sei Lob und Dank, daß alles ohne Schaden abgegangen, so gefährlich und furchtbar es damals auch aussah.

Nochmals den 20. Juli kam des Abends zwischen 9 und 10 Uhr ein sehr blitzend Wetter, da es alles, durch das fortwährende Blitzen, entzündet werden, allein der gütige Gott verschaffte einen unverhofften Wind, der das furchtbare und besorgliche Wetter vertrieb.

Den 29. November, Nachmittag gegen 4 Uhr ist vieler Orten Deutschlands ein ziemlich starkes Erdbeben verspüret worden. Hier hat man zwar nicht viel gemerkt, aber an manchen Orten ist es stark, an anderen weniger vermerkt worden. Wie von glaubwürdigen Personen berichtet wurde, ist es in einer Stunde zugleich in Leipzig und Wien in Österreich beobachtet worden.
Villach, eine Stadt in Kärnten ist fast ganz ruinieret worden, wie es denn in Weißenfels am Schloß auch Schaden getan.

Nach Nikolai (6. Dezember) hat es angefangen zu schneien, hat auch viele Tage angedauert mit Wind und Stöberwetter, da es denn einen großen Schnee und gute Schlittenbahn gemacht, welches viele Jahre her vor Weihnachten nicht geschehen. Am 8. Dezember hat es auch gewetterleuchtet des Nachts und gedonnert, worauf ein ungestümes Wetter erfolgte.





Quellen:

Paulus Jenisius
ANNABERGER CHRONIK
http://www.streifzuege-online.de/chronik/annaberg/jenisius/3/17jh9.htm









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