Wetterchronik 1967

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23. Februar

Verheerender Sturm über Runding eingetragen von Andy Bayerwald am 4. Juni 2003

Ich bekam heute dankenswerterweise von unserem Altbürgermeister Karl Beer (Im folgenden Artikel auch erwähnt) alte Zeitungskopien vom 23. Februar 1967. Damals tobte ein verheerender Sturm über unsere Gemeinde.
Ich hab mir mal die Mühe gemacht, den damaligen Zeitungsbericht abzutippen:


Hausdächer flogen durch die Luft und Scheunen wurden abgedeckt

Dachstuhl zerschlug Gaststätte-Telefonmasten umgeworfen und Bäume geknickt-Hoher Sachschaden


Runding: Seit Menschengedenken hatte das Bergdorf Runding nicht so eine Katastrophe erlebt: Abgedeckte Dächer, eingestürzte Giebel, zusammengedrückte Scheunen, umgeknickte Telefonmasten und entwurzelte Bäume. Das war das Werk des Sturms, der kurz nach 17 Uhr am 23. Februar 67 über Runding raste.
Die Nacht war über das Bergdorf hereingebrochen. Sturmwolken hatten den Himmel verhängt und die elektrische Energie war ausgefallen. War im zweiten Weltkrieg Runding von Zerstörungen verschont geblieben, eine einzige Sturmböe am Donnerstag hatte es fertiggebracht: Der Westteil der Gemeinde glich einer Landschaft nach einem Bombenangriff.

"Ich hatte in Cham zu tun und war auf dem Heimweg", berichtete Bürgermeister Karl Beer, der am Donnerstag gegen 17 Uhr die Grenze seiner Gemeinde passierte. Im Westen standen bereits drohend die Sturmwolken. "Ich sehe noch, wie der Sturm das Dach der Pension Bergmann aufhebt und wie mit Riesenfäusten mit ohrenbetäubendem Krachen auf das Dach des Gastraumes schleuderte. Ich stürze aus meinem Auto und berge meine 5jährige Tochter unter meinem Arm, rufe den Leuten zu, daß sie nicht aus den Gebäuden sollen und rette mich und mein Kind in ein benachbartes Haus." Das ist der Augenzeugenbericht des Gemeindeoberhauptes, der das Inferno miterlebte.

Dachstuhl durchschlug Gastzimmer
Das Gastzimmer der Pension Bergmann ist verwüstet. Durch die Decke drangen die Balken der schweren Dachkonstruktion, die der Sturm auf das Nachbardach geworfen hatte. Ein Loch klafft in der Decke. Mauerteile bedecken den Boden.
Kaum 50 m weiter steht ein weiterer Neubau. Auch er ist plötzlich ohne Dach. Dieses wurde in den Garten geweht und am Boden zerschmettert. "Erst vor ein paar Monaten bin ich mit den Abzahlungen fertig geworden, und nun passiert das", sagt traurig der Besitzer des schmucken Wohnhauses vor den Trümmern seines Dachstuhls.

Schuldach wirbelte durch die Luft
Nur ein paar Meter daneben liegen die Blechbahnen des einstigen Schuldaches. Dieses hatte die Sturmböe aufgestülpt und gegen eine elektrische Leitung gefegt. Ein Blitz hatte vom Kurzschluss die Finsternis durchzuckt - dann lag Runding im Dunkeln. Teile des Schuldaches wurden über 150 m durch die Luft gewirbelt und zerschlugen am Dorfplatz die Scheiben einer Anlage.
Nur die Schüler waren Nutznieser der Rundinger Katastrophe, sie hatten nämlich aus Sicherheitsgründen andertags keine Schule, weil noch Fetzen des Daches herunterhingen.
Auch Pfarrer Kiermeier gehört zu den Geschädigten, der Sturm hat auch am Kirchendach beträchtlichen Schaden angerichtet.
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Stadl brach wie Kartenhaus zusammen
Arg mitgenommen wurde auch das Anwesen der Bauern Adolf Bauer, Runding-Einöden. Seine Frau berichtet:
"Ich war dabei, die Wäsche aufzuhängen, als der Sturm unversehens losbrach. Ich wollte ins Haus. Dachziegel flogen durch die Luft und mich überwältigte die Angst. Aber wie von unsichtbaren Kräften war die Haustüre versperrt, so sehr ich mich auch gegen die Tür warf und mein Mann von innen her versuchte, die Tür zu öffnen. Mit einem Ruck flogen plötzlich alle Türen des Hauses auf. Ein Toben und Krachen erfüllte die Luft. Als ich mich umdrehte, flog der Stadl zusammen. In ihm standen wertvolle Maschinen."
Die Männer hatten kurz davor einen Holzschuppen aufgestellt und waren zum Brotzeitmachen in die Stube gegangen. Der Schuppen stand nach dem Sturm auch nicht mehr.

Bäume wie Streichhölzer geknickt
Einen halben Kilometer weiter hatte der Sturm im Wald gewütet. Die Wurzel der Bäume ragten gen Himmel. Einige waren wie Streichhölzer geknickt und dabei konnte ein Mann mit beiden Armen ihren Stamm nicht mehr umfassen.
Auch noch an vielen weiteren Häusern hatte der Sturm am Donnerstag verheerende Schäden angerichtet.

Beispiel der Nachbarschaftshilfe

Noch hatte der Sturm am Donnerstag seine Kraft nicht ganz verloren, da rückten die Männer der Feuerwehr aus. Aber auch die anderen kamen, um zu helfen. Absperrungen wurden aufgestellt und die größten Hindernisse beseitigt.
Gottlob hatte das Unwetter keine Menschenleben gefordert. Gestern war halb Runding auf den Beinen. Man half sich gegenseitig. Groß konnte diese Hilfe aber nicht sein. Auf die Dächer mußten Fachleute. Aus den Gesichtern der Geschädigten aber sprach die Sorge: "Wer wird diese Schäden bezahlen?" Wohl kaum eine Versicherung kommt für Windschäden auf. "Ich bin gegen Einbruch, Brand, Glasschaden und alles mögliche, nur nicht gegen Sturmschäden versichert", sagte der Besitzer der Pension Bergmann, der sein Haus wieder für die kommende Saison in Ordnung haben möchte.

Regierung fordert Schadensmeldung
Landrat Dr. Fischer hatte sich bereits am Vormittag in das Katastrophengebiet begeben. Die Regierung der Oberpfalz hatte fernschriftlich bis 15 Uhr eine umfassende Schadensmeldung angefordert. Der Chamer Landrat will natürlich alle möglichen Stellen zur sofortigen finanziellen Hilfe für die Geschädigten aufgefordert. Es geht dabei auch um verbilligte Kredite.
Bürgermeister Beer läßt vorerst die Schule mit Dachpappe notdürftig decken. Der Gemeinderat soll erst entscheiden, was weiter geschieht. Der Sturm in Runding hat tiefe Wunden hinterlassen, die erst langsam vernarben werden. Runding bedarf dringend der Hilfe.



Soweit der Zeitungsbericht von 1967
Ich hab damals mit 6 Jahren (erstes Schuljahr) diesen Sturm selbst miterlebt. Es war wirklich zappenduster und draussen war ein fürchterliches Brausen. Meine Eltern fingen zu Beten an.
Gotseidank war bei uns ausser einigen herabgewehten Dachziegeln kein weiterer Schaden. Der ganze Schaden war innerhalb einer ca 50 m breiten und 2 km langen Schneise. Diese Schneise hat mich auch schon auf den Gedanken gebracht, es könnte evtl ein Tornado gewesen sein. allerdings wurden am gleichen Tag auch aus anderen Orten Sturmschäden gemeldet.

Quellen:

Zeitungsbericht von 1967 (Bayerwald-Anzeiger) und eigene Erinnerung









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