Wetterchronik 1854

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August

Überschwemmung in Schlesien eingetragen von Mark am 17. Juni 2001

Eine große Ueberschwemmung verursachte insbesondere in Schlesien und Posen der Regenguß, welcher vom 18. August
1854 (Freitags) mittags an bis Zum 19. August des Nachts ohne Unterbrechen anhielt. Das Wasser ergoß sich in Strömen vom
Himmel und die ältesten Leute erinnern sich nicht, je einen Regen erlebt zu haben. Fast alle Teiche haben ihre Dämme
durchbrochen und die meisten Buden sind weggeschwemmt worden. Selbst mehrere Schornsteine und Keller wurden so
aufgeweicht, daß sie einstürzten und einbrachen.
Sonntags, den 20. August, war die Verbindung mit Konstadt gänzlich unterbrochen, da das Wasser über die Wiesen an der
Straße höher als eine halbe Elle ging und von Konstadt die Scheuern in einem großen See standen. Wenn man auf die Anhöhe
an der herrschaftlichen Windmühle trat, so sah man die ganzen Schweinerschen, Schönfelder, Bürgsdorfer und Konstadter
Wiesen überschwemmt. Am Sonntag konnte man kaum noch nach einem benachbarten Orte fahren, da es fast keine Brücke
gab, die, wenn sie nicht ganz weggerissen war, nicht irgend eine erhebliche Beschädigung aufzuweisen gehabt hätte, zudem
hatte auch das Wasser in den meisten Straßen große Löcher und Gräben ausgeschwemmt. So waren selbst zwischen
Schönfeld und Reinersdorf die Waldbrücken und die an dem Reinersdorfer Mühlteich weggerissen. Doch all dieser Schäden
verschwindet in ein Nichts im Vergleiche mit den Verlusten, welche die Gegenden an größeren Gewässern erlitten haben. So
heißt es in einem öffentlichen Aufrufe um Hilfe zur Linderung der allgemeinen Not zu Breslau, den 24. Auguft 1854: "Ein
Unglück furchtbar in seiner Ausdehnung, entsetzlich in seinen Folgen, hat unsere Provinz heimgesucht. Ein großer Teil
unseres schönen Schlesien ist durch Überschwemmung verwüstet. Eine reiche Ernte, der Lohn einer Jahresarbeit, die Hoffnung
einer schweren Zeit, die Rettung vor Hungersnot, treibt großen Teils auf den Fluten oder liegt unter ihnen begraben. Eine Menge
der Besitzenden, auf welche die Zeit schon lange bitter drohende Armut rechnete, ist selbst arm geworden und hat nicht allein
Haus und Vieh und Geräte, nicht allein die geerntete Feldfrucht verloren, sondern wird, wenn die Wasser sich verlaufen, statt
der vor kurzem noch so fruchtbaren Gefilde, öde Wüste die auf Jahre hin, vielleicht auf immer der Mühe und dem menschlichen
Fleiße, menschlicher Tätigkeit spotten, wiedersehen. Das Unglück ist groß, der Schaden unermeßlich, die Not allgemein. So
sei denn auch die Hilfe eine allgemeine. Der Schlesier hat von jeher in seiner Bedrängnis auf Gott vertraut und auf das Herz
seiner deutschen Mitbrüder gerechnet. Er darf es auch jetzt und darf es mit Zuversicht bei dem Bewußtsein, in ähnlicher Not
gleiche Hilfe gewährt zu haben pp."
Nachdem sich nun im Kreuzburger Kreise unterm 18. September ein Komitee zur Unterstützung der durch die Wasserfluten
verunglückten Schlesier gebildet hatte, dessen Schatzmeister der Superintendent Kern in Kreuzburg geworden, begannen
die Sammlungen in den einzelnen Ortschaften des Kreises. Die Herren Rittergutsbesitzer gingen meistenteils mit einem
lobenswerten Beispiel durch namhafte Geldspenden voran, welches von den Rustikalen im allgemeinen nicht gesagt werden
kann. In Schönfeld kam zusammen 31 Rt, wozu Herr von Watzdorf 20 Rt, Inspektor Krieg 2 Rt, Heilborn 1 Rt und
Rentmeister Graff 20 Sg beisteuerten. Unterm 18. Dezember 1854 zeigt Herr Superintendent an, daß bis zu dem gedachten
Tage bei ihm 464 Rt 9 Sg 8 Pf an Unterstützungsgeldern für die durch
Ueberschwemmung verunglückten Bewohner Schlesiens in den Odergegenden eingegangen seien. Infolge dieser großen
Ueberschwemmung verordnete eine Kabinetts-Ordre Sanssouci den 30. Okt. für die Provinz Schlesien auf den 17. November
(Freitags) in allen evangelischen Gotteshäusern einen außerordentlichen Buß-und Bettag, welcher auf
Verordnung des Fürstbischofs von Breslau auch von den katholischen Bewohnern begangen wurde.

Quellen:

Die Geschichte des Dorfes Schönfeld im Kreis Kreuzburg O.S. von G.A. Kluske
"Aus der Heimat Bd. 5", Beilage von 1936, Kreuzburger Nachrichten GmbH,
http://members.tripod.de/ReinhardEckert/schoenf2.htm









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