Wetterchronik 1706

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12. Mai

Beobachtung der Sonnenfinsternis in Reutlingen, Lindau und Zürich eingetragen von Mark am 17. Juni 2001

Ein Chronist der 35 km südlich von
Stuttgart gelegenen Stadt Reutlingen stellt fest: "Vormittags um 10 Uhr war in Schwaben eine totale centrale
Sonnenfinsterniß von Dauer zu sehen, wo die ganze Verfinsterung 5 Minuten dauerte." Die "Lindauer Chronik"
berichtet: "1706 d. 12. Maji Morgens zwischen 9.10 und 11 Uhr ist auch allhier eine sehr große Sonnenfinsterniß
gewesen, da darüber Mensch und Vieh sich entsetzt und nicht anderst vermeinit haben, als ob er folge darauf der
jüngste Tag selber". Im sächsischen Zittau, wo man offenbar nur mit einer teilweisen Bedeckung der Sonne gerechnet
hatte, schreibt ein Laienastronom (wahrscheinlich ein Arzt): "Aber wir entsetzten uns nicht wenig, als wir sahen, daß
der Mond, im Augenblick, und als wenn er mit macht, von jemand fort- und fürgeschoben würde, alles Sonnenlicht
bedeckte, und eine totale Finsternis bey uns verursachte... Wir stunden also mitten am Tage in einer stockfinsteren
Nacht... Wiewohl diese Finsternis noch gar etwas sonderlich und entsetzliches bey sich hatte, welches ich selbst
nicht recht ausdrücken kan, ohne daß ich sagen muß, es sei eyne bleich und todten-gelbe, und also viel betrübtere
und jämmerliche Finsternis gewesen, als etwan die gewöhnliche Finsternis der Nacht ist. Sonderlich, weil auch die
unvernünftigen Creaturen darüber bestürzt waren, und sich gleichsam in eine so unzeitige Nacht nicht zuschicken
wusten. Die Schwalben, flogen stille schweigend, gantz nahe bey den Menschen heran, als wenn sie bey selbigen
Hülfe suchen wolten. Die Tauben, deren etliche zu meiner ergetzung halte, sassen theils auf dem Dache theils waren
zu Felde, und mußten beyderseits an ihrem Orte bleiben, biß die Sonne sich wieder blicken ließ; da jene gantz
zitternd nach ihren Höhlen flogen; diese aber wie die Pfeile von dem Feld geschossen kahmen, und vor Furcht zitternd
und bebend, jene nacheileten."

Eindrücklich wird die fast vierminütige totale
Sonnenfinsternis in den "Memorabilia tigurina" von Hans
Heinrich Bluntschli (Zürich, 1742) beschrieben: "An. 1706,
den 12 Mey, ware die noch in frischem Angedenken
erschrockliche Sonnen-Finsternuss, welche um 8 Uhr 45 Min.
ihren Anfang genommen, das Mittel, oder da sie am
grössten ware, um 10 Uhr, das Ende um 11 Uhr, in welcher
Zeit die Sonn von dem Mond, gleich als mit einem Vorhang
völlig bedeckt worden, und also ihren Schein gänzlich
verlohren, so gar, dass auch die Sternen zum Vorschein
kommen. Man sahe um 10 Uhren keine Arbeit mehr zu
verrichten. Das Geflügel begab sich in die Ruhe und Nester,
und sahe man auf dem Weinplatz die Fledermäusse herum
fliegen. Auf diese Finsternuss ist ein sehr heisser Sommer
gefolget, und ist alles an Wein, Früchten und Obs wohl
gerathen."

Quellen:

http://www.hs-zigr.de/schule/scholl/faecher/astro/astrosoa.htm
http://www.ethbib.ethz.ch/whs/sonne02.html









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