Wetterchronik 1897

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30. Juli

Hochwasser der Neiße schädigt das Kloster Marienthal eingetragen von Mark am 16. Juni 2001

„... Ganz ausnehmend starke, beinahe über ganz Mitteleuropa verbreitete Regengüsse waren einige Tage anhaltend
niedergegangen. Am Morgen des 30. Juli 1897 lief von Zittau aus die telegraphische Signalisation eines
Hochwassers ein. Das Kloster und besonders die Kirche erschienen gefährdet. In aller Eile wurden die Seitenaltäre,
weil besonders niedrig stehend, abgeräumt und alles darauf Befindliche auf dem Hauptaltar getragen, den man den
höheren Standortes wegen für ungefährdet hielt. Auch außerhalb des Klosters wurden menschlicher Berechnung
nach genügende Schutzmaßnahmen getroffen. Mittags ½ 12 Uhr traf das Hochwasser der Neiße in ungeahnten
Massen ein, durchbrach die Mauer bei der Mühle, führte die in und an der Schneidemühle an vermeintlich sicheren
Orten lagernden Holzklötzer in den inneren Hofraum und nahm seinen Weg, die Mauer zwischen Propstei und
Fremdenhaus durchbrechend, durch den Konventgarten. Im Klosterhofe war man zu jener Zeit gerade mit dem
Neubau des Waisenhauses und der Schule beschäftigt, der bereits bedeutend vorgeschritten war. Mit großer Mühe
brachte man mittels Kahn die Arbeiter aus der Brauerei, dem Neubau und der Schneidemühle in Sicherheit, wobei
sich die erst in diesem Jahre gebildete freiwillige Feuerwehr von Marienthal hervorragend beteiligte. Niemand hatte
geglaubt, daß das Wasser eine solche Höhe erreichen werde. Mitten in diesen Rettungsarbeiten ertönte Geschrei
der entsetzten Menge; die altehrwürdige Klosterbrücke mit ihrem Wahrzeichen, dem Standbilde des heiligen
Johannes von Nepomuk war eingestürzt und 2 Männer Josef Klaus aus Ostritz und Josef Altmann aus Rusdorf waren
mit ihr in die Fluten gesunken (über die Brücke waren die Röhren der Trinkwasserleitung gegangen, welche nun
unterbrochen wurde). Selbst im Klosterhofe, von wo aus in normalen Verhältnissen von der Neiße nichts zu sehen
ist, ertrank ein Arbeiter, Filipp Müller aus Klosterfreiheit, indem er von der rasenden Strömung fortgerissen wurde.
Andere entrannen diesem Schicksale nur mit Mühe. Furchtbar rauschend strömte das Wasser, indem es Mauern
durchbrach, in die Klostergebäude und stieg unglaublich schnell. Propst Wenzel eilte auf die Nachricht von
ungewöhnlichem Steigen des Wassers in die Kirche, um das Allerheiligste zu retten. Trockenen Fußes ging er in die
Kirche. Beim Hinausgehen, nach einigen Augenblicken, mußte er bis an die Knie im Wasser waten. Das Getöse der
Fluten wurden von den Notschreien der Gefährdeten, dem Krachen der in der Kirche einstürzenden und
aneinanderstoßenden Altäre, Bänke, Beichtstühle unterbrochen. Man kann sich denken, in welcher Todesangst die
Klosterschwestern und die übrigen Bewohner des Klosters, rings von übermannshohen mit unwiderstehlicher Gewalt
strömenden Wasser umflutet, sich befanden. In der Kirche wurde auch der Hochaltar weggerissen. Ihren Höhepunkt
erreichte die Flut gegen 3 Uhr nachmittags, wo sie 2,40 m hoch in der Kirche stand. Nur ein wenig über dem
schmutzigen Wasserspiegel hing das ewige Licht und beleuchtete mit düsterem Scheine eine seit
Menschengedenken nicht dagewesene Verwüstung. Um 9 Uhr abends waren die Stallungen des Hofes wasserfrei,
während Abtei und Propstei noch von den Fluten umgeben blieben. Auch hier, mitten im Verderben, hatte sich
Gottes Schutz wunderbar gezeigt. Im weiten Bogen um die gefährdeten Gebäude hatten sich unter Zuhilfenahme der
im Klosterhofe stehenden Bäume die zahlreich angeschwemmten Balken und Bretter gestaut und lenkten den Strom
in anderer Richtung ab, dessen natürlicher, kürzester Weg sonst durch Kirche und Propstei geführt hätte. Es ist sehr
fraglich, ob diese Gebäude, besonders die Propstei, dem Ungestüm hätte Stand halten können.

Quellen:

Auszug aus

„Geschichte des Königl. Jungfrauenstiftes und Klosters St. Marienthal
Cistercienserordens in der Königlich Sächsischen Oberlausitz“

(Verfasser: Georg Zieschank/Pfarrer in Ostro; erschienen: Bautzen 1920)
http://www.kloster-marienthal.de/Geschichte/Hochwasser/hochwasser.html









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