Wetterchronik 1560

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28. Dezember

Polarlicht wird in der Schweiz beobachtet eingetragen von Mark am 14. Oktober 2001

Beim Beginn des Jahres 1561, in welchem wir jetzt leben, am 3ten Tag nach dem Tage der Geburt des Herrn,
welcher den unschuldigen Kindlein geweiht ist, war von unserer Stadt und in der ganzen Nachbarschaft
Helvetiens aus zwei Stunden vor Tagesanbruch bei heiterem Himmel ein röthliches Feuer zu sehen, im
Allgemeinen zusammenhängend, außer daß mehrere Streifen zwischendurch liefen, lang und breit ausgedehnt
bis zu einer Breite von ungefähr einem Stadium, obgleich es anderwärts schmaler erblickt wurde, dagegen bis
zu drei- und fierfacher Länge, so daß allen Betrachtern etwa bis auf eine Meile, nach Norden hin ein Dorf oder
mehrere oder eine Stadt in einem sehr großen Brand zu stehen schien, und an sehr vielen Orten die Nachbarn
zu zusammenliefen, in der Absicht, die Feuersbrunst bei den Nachbarn zu löschen. Mehrere glaubten in diesem
blutfarbigen Feuer viele weiße Striemen, Lanzenbündeln ähnlich, zu sehen. Es blieb nicht an einer Stelle
stehen, sondern bewegte sich durch viele Stadien vorwärts. Mit Tagesanbruch endlich, oder vielmehr gegen
Tagesanbruch hin, verschwand es allmählich, nachdem es zuerst (wie es in St. Gallen gesehen wurde) sich
zusammengezogen hatte wie zur Gestalt eines großen Turmes. Daß nun dieses Feuer in der oberen Luft
entstanden ist, kann man leicht daraus schließen, daß es soweit hin erblickt wurde, und so ziemlich der
Bewegung der Luft folgte; jedoch nicht in der obersten Luft, so daß es dort wie die Kometen von dem Element
des Feuers hat entzündet werden können. Daß diese Erscheinung so in Zürich, Glarus, St. Gallen, Konstanz,
und hie und da um den Überlinger- und Zellersee, und ebenso in Basel und in sehr vielen Gegenden Helvetiens
und Rhätiens gesehen worden sei, ist bereits ausgemacht, - ob aber auch weiterhin, wird man in Kurzem
erfahren. An gewisse Stellen zwischen Zürich und dem Städtchen Elgg sollen auch Flammen auf die Erde
herunter gefallen sein, wobei Einer, der zwischen denselben einen Weg ging, in Schrecken gesetzt wurde. Ein
gewisser glaubwürdiger Mann in dem Kanton Zürich hat die ganze, von ihm aufmerksam beobachtete Sache
mir erzählt. Nachdem zuerst die Nacht hell gewesen, und dann gegen Morgen die Dunkelheit größer wurde,
indem nämlich der Mond unterging, habe er von der Erde ein Licht sich erheben sehen, als ob Strahlen von
verschiedener Richtung und Farbe (wie wenn die Sonne durch die Regentropfen mannigfaltige Farben
wiedergibt) von der Erde ausgingen, und dieselben seien bald bis an den Himmel hinauf gefahren, und dort
erst haben sie die rote Farbe angenommen, wie wenn einige Wolken rot wären, und eine Zeit lang seien sie
still gestanden, bald nachher aber sei eine Wolke mitten durch gegangen und dann habe man einen feurigen
Auswurf gesehen, wie von einem Stern, aus der feurigen Wolke.

Quellen:

Bericht des Schweizer Universalgelehrten Conrad Gessner (1516-1565)
zitiert nach Schröder, Das Polarlicht

Anmerkung: Der "Tag der unschuldigen Kindlein" ist am 28. Dezember. Vom 28.12.1560 gibt es zahlreiche Polarlichtberichte aus Deutschland. Es ist daher anzunehmen, daß es sich um das gleiche Polarlicht handelt, auch wenn hier als Jahr 1561 angegeben ist. Wahrscheinlich war damals (örtlich) der Jahresbeginn auf Weihnachten festgesetzt, so daß am 28.12. bereits das neue Jahr begonnen hatte.









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