Wetterchronik 1532

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2. November

Sturmflut eingetragen von Mark am 14. Oktober 2001

Anno 1532 den 2 November ist eine erschröckliche Fluth durch einen starcken Südwest-wind erreget worden / welche wegen ihrer Grausamkeit die grosse Fluth bey den Nachkommen ist genennet worden / massen sie sich auff der Westkust hin und wieder weit und breit ergossen. In Flandern ward hierdurch der Damm zerrissen / wodurch in der Eyl ein solches Wasser eingedrungen / daß
man in Städten und Dörffern hat fahren müssen / so einer zum andern gewolt. Es hat auch solche Fluth Braband / Holl- und See-Land also betroffen / daß dieselbe unüberwindlichen und unschatzbaren Schaden an Gebäuen / Menschen / Vieh und andern Gütern gethan: Und berichtet man / daß allein der Schade / so zu Antwerpen geschehen / einem Königreich gleich zu schätzen gewesen: ja wan diese schnelle Fluth bey Nacht kommen were / so würden viel tausend menschen mehr dar sein umbkommen. Merckwürdig ist es / was man schreibet / daß es zur Zeit dieser Fluth / umb Venedig herum gantz trocken gewesen / und der Adriatische Golfo von dannen auff eine gute Distantz gäntzlich abgewichen sey. Im Nordstrande ist diese Fluth durch 11 grosse und 7 kleine Bracken oder Wehlen eingebrochen / und sind etliche derselben 40 Ellen tieff gewesen / dannenhero diese Insul gantz überschwemmet / und neben ubzehlichem Vieh bey 1500 Menschen (andere sagen von 1900) ersäfft worden / worunter 3 Prediger gewesen / als Hr. Hartich zu Buptee (der im Anfange der Reformation die Päbstliche Parthey gar hart gehalten) Hr. Detleff und Hr. Peter / die sich auff einer Kindtauffe beym Küster zu Buptee befunden / und daselbst vom Wasser / so drey Ellen über die Teiche gegangen / sind überfallen und ertränckt worden / [...].

In Eyderstädte sind bey 1100 / und allein in Coldenbüttel / 100 und in Witzwort 60 Menschen geblieben / und ist das Wasser drey Klaffter hoch über das Land gangen. Zu Witzwort ist Haymohr durchgebrochen / und ein Mann sambt Weib und kind von dannen nach Wollesum mit seinem Hause getrieben / und gleichwohl beym Leben blieben. Zu geschweigen / des unersetzlichen Schadens / welcher in Ditmarschen / Tundern / Ripen und daselbst liegenden niedrigen Ländern geschehen. Dan in der Stadt Ripen ist das Wasser so hoch gestanden / daß man / nachdem es wieder verlauffen / in den Umbgängen der Kirche eben so / wie auff allen Strassen / gar viel lebndige Fische gefunden. Zu Tundern hat das Wasser drey Ellen hoch an der Kirchmauren gestanden / und am Schöosse grossen Schaden gethan. Merckwürdig ist es gewesen / daß nach ergangener Fluth / wie das Wasser am höchsten gestanden / und es alleweil begonnen finster zu werden / sich der Wind so sehr habe geleget / daß man mit brennendem Lichte unter dem offenen Himmel hat gehen können. Es ist aber dieser Fluth wegen bey männiglich eine solche Furcht und Schrecken geblieben / daß man auch von derselben nachmahls die Jahrzeit gerechnet / und umb abwendung des Göttlichen Zorns / die dreytägige
Bettage / so am Montag nach Allerheiligen in Nord-Frießland anheben / jährlich anzuordnen / und feyerlich zu begehen / beschlossen hat. Nicht ohne Verwunderung hat man angemercket / daß kurtz vor der eindringenden Fluth sich ein grosser Comet hat sehen lassen: Die Bäume haben im Herbst zuvor geblühet / und die Hirsche und Hinden / (welches sonsten gar ungewöhnlich) sind wenige Tage vor der Fluth in grosser Anzahl nach dem vesten Lande geschwummen / welches alles / als eine unfehlbahre Verkündigung einer schier künftigen Wasser-Fluth von den Verständigen angemercket / zumahlen dergleichen bey so gestalten Sachen / insonderheit der im Jahr 1634 ergangenen Land verderblichen Fluth / auch diese Orths erlebet worden. Ich würde es mit dieser Fluth hiebey bewenden lassen / wan mich der grosse Jammer der See-Länder nicht zwünge / von ihrem in dieser Fluth erlittenen Schaden auch etwas zu gedencken. Die insul Düyvenland / welche vor zweyen Jahren auch gantz unter Wasser gesetzt worden / muste diesesmahl mit nassen Augen sehen / welcher Gestalt die Bannen Andekerke / Nieuwkerke / Capelle und Botland / sambt dem grösten Theil ihres Landes gar tieff unter Wasser gesetzt wurden. Man hat nach der Zeit viel wiederumb davon eingeteichet / welches so furchtbar anitzo befunden wird / als ein Land in derselben gantzen Provintz. In der Insul Suyt-Beveland stund es noch erbärmlicher / diese gute Insul hatte schon in den Fluthen Anno 1288 / 1304 / am meisten aber im Jahr 1530 den 5 November grossen Schaden gelitten / wodurch Schonde / Couwerve /
Duvenee / Lody / Bronk / Creke / Steenvliet / Evaertswaert / Ouwaerdingen / Rilland / Crabbendyk / Meere und Nieuwland gantz und gar ertruncken / so daß eintzig und allein die Stadt Rommerswael wieder eingeteichet ward; Aber hierbey ließ es die ergrimmete See noch nicht bewenden: Sondern in demselbigen Jahr / setzte sie Monster / Sinte Catharyne / Oost Kerke / West Kerke / Wolfaertsdorp und Devik / woselbst vormahlen die Herrn von Borsell residirten / gaentzlich unter Wasser. Man hat zwar ermelte 6 Kirchspiele Anno 1531 wieder eingeteichet / aber in dieser Fluth Anno 1532 wurden sie von neuem ruinirt / und sind seithero nicht wieder auff- oder zum Standt kommen. Bey Schoude haben sich 50 Menschen auff das oberste Dach einer Kirchen salvirt / welche / nachdem sie drey Tage gehungert / endlich durch ein Schiff noch gerettet worden. Gleiches Unglück hat auch die Insul Nord Beveland erfahren müssen: Anno 1288 auff St. Agaten Tag / wie auch Anno 1304 auff St. Catharinen Tag / und Anno 1530 auf S. Felix Tag / ist sie jedesmahl absonderlich durch letzt gemelte greulich ruinirt worden / von welcher Jammer-Fluth nachfolgende zween Lateinische Verse gemacht sind. Anno ter deno, post sesqvi mitte, Novembri. Quinta, stat salsis Seelandia sub undis. zu Teutsch: Alß man eintausend schrieb fünff hundert dreymahl zehen Hat man am fünfften Tag Novembris dis gesehen Daß See-land überschwemmet der See gesaltzne Fluth, So tobt sie offtermahls durch ihre strenge Wuth. Man bemühete sich zwar im folgenden Jahre einige Länder wieder ein zu teichen / und in gewisse Poldere zuvertheilen / aber am 2 November Anno 1532 kam vorgemelte grosse Sünden-Fluth / bey Nachtzeiten in dieser Gegend gar unversehens / daß viel Menschen auff ihren Bettern ertruncken / nach der Zeit ist gantz Nord Beveland unbeteichet blieben.

Quellen:

Happel, Eberhard Werner, Des historischen Kerns oder so genandten kurtzen Chronica Ander Theil. -
Hamburg, 1690.
nach http://download.tripod.de:81/stemil/climate1500_50.html









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