Wetterchronik 1804

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21. Juli

Rekordhochwasser der Ahr eingetragen von Mark am 8. Oktober 2001

1804, 21. Juli, Ahrgebiet: Größtes und folgenschwerstes Hochwasser der Ahr, über das detailierte Berichte vorliegen. Durch
Frick12) wurden Ablauf und Schäden dieser Katastrophe aufgrund von Meldungen und Berichte der französischen Behörden anläßlich
der 150. Wiederkehr dargestellt. Alle Unterlagen befinden sich im Staatsarchiv Koblenz. Durch Gewitterregen führte die Ahr bereits
seit Tagen Hochwasser, als am 21. Juli 1804 ein erneutes Unwetter in der Hoch- und Ahreifel sich mit riesigen Niederschlägen
entlud. Alle zur Ahr führenden Nebenflüsse, vor allem der Trier-, Adenauer- und Kesselinger Bach, schwollen innerhalb kürzester Zeit
stark an. Eine alles wegreißende Flutwelle füllte die Täler und ließ das gesamte Ahrsystem über die Ufer treten. Grommes7) hat
anhand von Hochwassermarken ermittelt, daß der Höchststand dieses Hochwassers in Antweiler 2,50 m und in Dernau 1,85 m
höher gewesen ist als das Katastrophenhochwasser von 1910.

Im gesamten Einzugsbereich der Ahr verursachte das Unwetter und das anschließende Hochwasser riesige Sachschäden und
forderte 63 Menschenleben. 129 Wohnhäuser, 162 Scheunen und Stallungen, 18 Mühlen, 8 Schmieden und nahezu alle Brücken,
insgesamt 30, wurden von den Wassermassen weggerissen. Weitere 469 Wohnhäuser, 234 Scheunen und Ställe, 2 Mühlen und 1
Schmiede wurden beschädigt. 78 Pferde und Zugrinder kamen in den Fluten um, Obstbäume wurden entwurzelt, Weinberge
abgespült, die gesamte Ernte vernichtet und Wiesen und Felder in der Talaue hoch mit Sand und Kies überschüttet.

Zur Behebung der Schäden wurde durch den Präfekten des Departement ein Arbeitsdienst eingerichtet, bei dem über 800 Männer,
teilweise von der Mosel kommend, eingesetzt waren. An Steuergeldern wurden 120 000 Francs und Bauholz aus den Wäldern für 40
000 Francs zur Verfügung gestellt. Kaiser Napoleon gab aus seiner Privatschatulle 30 000 Francs, die Kaiserin weitere 4 800 Francs
zur Linderung der Not, 45 000 Francs erbrachte eine Spendenaktion.

Mayschoß und Laach: Ein ausführlicher Bericht in Französisch, Deutsch und Latein findet sich in der Mayschoßer Chronikg).

Bodendorf: Pastor Fey berichtet über das Hochwasser in einem bisher unbekannten Tagebuch (1802 -1805): »Den 21. (Juli) bin ich
mit He(rrn) Dechant Radermacher über den Berg nach Remagen gegangen und oben auf dem Berg fang es dergestalten an zu
regnen, daß wir beide bis an die Haut naß in Remagen angekommen. In selber Nacht ist auch die Ahr so angewachsen, daß das
abgeschnittene Korn von den Fudern abgetrieben, alle möglich Hausgeräthe, Bauhölzer und todte Menschen auf dem Felde
gefunden worden, die mit der Aar dahin getrieben«.

Antweiler:»1804.21, Juli Nachmittags 3 Uhr stürzte das Wasser bei einem erschrecklichen Gewitter von Norden in Strömen aus
den Wolken, wodurch die Ahr und alle kleineren Bäche dergestalt gewachsen, dass hier zu Antweiler 6 Häuser, 12 Scheunen und
Stallungen, 2 Oehlmühlen, 1 Schmiede fortgerissen, 8 Häuser samt soviel Scheunen und Stallungen bis an die Dächer in Sand
vergraben wurden. In Müsch wurden 10 Häuser mit ihren Gebäuden gänzlich beschädigt und 4 Menschen sind daselbst ertrunken.
Auf dem ganzen Ahrstrom aber sind 65 Menschen, 147 Häuser, 190 Scheunen, 20 Mühlen, 8 Schmieden, 50 Brücken, nebst vielem
Vieh in den Fluten zugrunde gegangen; 428 Häuser, 269 Scheunen, 8 Mühlen, wurden gänzlich beschädigt. Dieser wilde Strom
hin-terliess in einer Höhe von 8, 10, ja sogar bis zu 20 Schuh hier Steinhaufen, dort einen Kot, dessen Geruch die Luft vergiftet. In
diesem wütenden Strom, welcher die Kirche und alle Häuser zwischen der Ahr und Hägerbach, 4 ausgenommen, hoch unter
Wasser setzte, welche über das hl. Häuschen über der Ahr ging, blieb das Bildnis des hl. Johannes Nepomucenus, so von Holz
und nirgends festgemacht, auch vorn mit keinem Gegitter versehen war, wunderlich mit ihrem Häuschen und die Brücke stehen.«27).

Quellen:

7) Grommes, Gertrud
Das Ahrtal — Eine anthropogeographische Studie, Osnabrück 1930,5.17 ff.
9) Eckertz, G.
Chronik und Weisthum von Mayschoß an der Ahr. Ann. d. hist. Ver-einsf. d. Niederrhein, 16. Heft, Köln 1865, S. 39 -123
12) Frick, Hans
Das Hochwasser von 1804 im Kreise Ahrweiler, HJB AW 1955, S. 43-51
27) Mertens, Aloys
Beiträge zur Morphographie und Siedlungskunde des Ahrgebiets, Ahrweiler 1910

Nach
Die Ahr und ihre Hochwässer in alten Quellen
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1983/hjb1983.25.htm









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