[ Thread ansehen ] [ Zurück zum Index ]

Tabelle Frost- und Schneefallgrenze

Geschrieben von: Wetterfuchs am 16.01.04
Datum: 16. Januar 2004, 21:01 Uhr


Als heute morgen Ostholstein (Eutin) sich ständig an der Schneefallgrenze bewegte und die Temperatur um den Wert von 1-2°C schwankte, griff ich mal wieder auf eine alte Tabelle zurück, die von mir beim alten Wetteramt Freiburg Ende der 70er-Jahre erstellt wurde zum Zwecke der Ableitung der Frost- und Schneefallgrenze aus den Temperaturen der 850 hPa-Fläche. Die Zeit ist fortgeschritten und man hat heute sehr viele Möglichkeiten, die kommende Schneefallgrenze aus diversen Modellprodukten (direkte Berechnung, Entnahme aus Prognose-Temps usw.)abzulesen. Selbstverständlich ist die Frost- und Schneefallgrenze auch nicht allein aus den Temperaturverhältnissen in 850 hPa abschätzbar, sondern aus verschiedenen Parametern in der Höhe und am Boden. Aber es gibt bei normaler Schichtung doch mit Hilfe der 850 hPa-Temperatur einen "First Guess". So ist die Aussage von 850 hPa immer noch interessant(nach Angaben von Marco Puckert nutzt man diese Tabelle auch heute noch beim DWD in Stuttgart). Deshalb habe ich eine Kopie dieser Tabelle rasch gescannt und gebe sie hier wieder :

Wie ist die Tabelle anzuwenden? Die Frost- und Schneefallgrenze wird in Abhängigkeit der Höhe der 850 hPa-Fläche (Spalte ganz links, geop.Dekameter)und Temperatur der 850 hPa-Fläche (Zeile ganz oben)angegeben. Zu jeder Höhe und Temperatur von 850 hPa gehören jeweils die beiden Werte Frostgrenze (oben) und Schneefallgrenze (unten), in Metern ü. NN. So erhält man beispielsweise für eine Druckflächenhöhe von 132 gpdm und einer Temperatur von -5°C eine Frostgrenze von 550 m und Schneefallgrenze von 242 m. Diese Zahlen sind natürlich nicht wortwörtlich zu nehmen, sie erhält man rein rechnerisch so. Vergleicht man die diversen Wertepaare Frost-Schneefall-Grenze, so sieht man, daß die Differenz immer etwa 300 m ist. Wie kommt das zustande?

Grundlage der Tabelle ist die Annahme (s.oben in der Überschrift), daß der Schnee beim Herunterfallen bei 2°C geschmolzen ist und gleichzeitig ein vertikaler Temperaturgradient von rund -0.65°C/100 m herrscht. Die Formel dazu ist ganz einfach und lautet für die Schneefallgrenze angenähert :

H* = H850 + 150(T850 - 2)

Der Wert 150 setzt streng genommen voraus, daß der Gradient genau -2/3°C/100m beträgt.

Die Tabelle bestätigt die synoptische Erfahrung, daß bei normaler Schichtung in den Niederungen im Winter beim Unterschreiten der 850 hPa-Temperatur von -5/-6°C mit Schneefall gerechnet werden kann. Für andere Höhenlagen ergeben sich andere Werte, z.B. für den Raum München (Höhenlage 500-700 m)müßte man eine Grenztemperatur in 850 hPa von rund -2°C zugrunde legen. Bei genauer Anwendung braucht man jeweils beides, Höhe + Temperatur der 850 hPa-Fläche : Bei tieferer Lage der 850 hPa-Fläche und gleicher Temperatur sind z.B. auch Frost- und Schneefallgrenze niedriger.

Zum Schluß noch einmal die Anmerkung : Die Arbeit mit T850 setzt etwa feuchtadiabatische Schichtung voraus. Das Ganze funktioniert z.B. nicht bei ausgeprägt stabiler Schichtung in einer ausgeprägten Warmfront. Da kann es ja bereits unten schneien, wenn in 850 hPha z.B. eine Temperatur von -1°C herrscht. Bei vollständiger Betrachtung muß man eigentlich das gesamte untere vertikale Temperaturprofil beachten, um nicht Überraschungen zu erleben.

Viel Spaß bei der Anwendung.

Wetterfuchs

PS : Aus graphischen Gründen sollte man die hier gescannte Tabelle mit Word oder Excel oder sonst einem Programm neu sauber erstellen.

Beiträge in diesem Thread

[ Thread ansehen ] [ Zurück zum Index ]

WZ Forum - Interessante Beiträge wird administriert von Georg Müller mit WebBBS 5.12.