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Gletscher-Vergleich Schweiz und Norwegen (Bilder)

Geschrieben von: Christoph (AN-Elpersdorf 501m-Mittelfranken)
Datum: 22. September 2003, 20:27 Uhr


Hallo allerseits

Da ich ja als Halbschweizer verwandschaftsbedingt regelmäßig in die Schweiz komme und dann gelegentlich auch mal einen Abstecher nach Grindelwald mache, hab ich mitlerweile ein paar Bilder vom Oberen Grindelwaldgletscher zusammengesammelt, die den Rückzugsprozess seit 1988 leider deutlich dokumentieren. Auch in Norwegens Gletschergebieten war ich schon drei mal und konnte ein paar Bilder machen.
1987 im Alter von 12 Jahren nahm die Gletscherbegeisterung besitz von mir. Auf einer Tour zur Glecksteinhütte bei Grindelwald konnte ich über 20 Eislawinen am oberen Teil des Grindelwaldgletschers beobachten.
Das Gerumpel, wenn das Eis über die Felsen in die Tiefe donnert,...es ist wie ein gescheites Gewitter.
Ich könnt stundenlang vor so einer Bruchstelle hocken und zuschauen, nur leider ist das in den Alpen z.Z.glückssache.
Bis Ende Mitte der 80´er stießen ja doch einige Alpengletscher wieder vor.
Die ersten zwei Bilder stammen von alten Postkarten .

Oberer Grindelwaldgletscher


um die Mitte der 80er (maximale Ausdehnung) und 1995


Aug. 1999 und August 2003

Wenn ich das erste Bild anschaue kann ich nur den Kopf schütteln, einfach Wahnsinn.
"schnief"

Hier eine Tafel mit Vorstoß/Rückzug

Ende der 60er, Anfang der 70er und Anfang 80er stieß er z.T. ganz schön enorm vor (z.T. 100m/Jahr) um dann in den 90ern wieder enorm abzuschmelzen

In Süd-Norwegen schaut die Sache (noch) anders aus.
Dort stießen, entgegen dem allgemeinen Trend, die Gletscherarme des Josdedalsbreen, bedingt durch überdurchschnittlich hohe Schneemengen in den 80ern (davor auch?), bis etwa Ende der 90er vor und stagnieren nun oder ziehen sich leicht zurück (nicht so gravierend wie in den Alpen), wohl wegen der warmen Sommer dort oben in den letzten Jahren.

Nach extrem schneereichen Wintern können die Wände auf dem Sognefjell bis 10m hoch sein
(Quelle: http://www.fjords.com/gowest.htm )

Aber wenn man bedenkt, dass die Gletscher dort erst da anfangen wo sie in den Alpen enden, schauen sie noch ganz gut aus. Der Jostedalsbreen, Europas größter Festlandgletscher(ca.485km²), hat sein Nährgebiet bis knapp über 2000m ü.NN.
Die Arme reichen z.T. bis etwa 100m ü.NN hinab, da kann ein langer, warmer Sommer viel „Schaden“ anrichten.

Zur Orientierung


Quelle: http://www.llbean.com" bzw.
www.fjordinfo.no bzw.

Hier ein paar Bilder (Bilder ohne Quellenangabe sind von mir)

In Norwegen heißt ein Gletscher „Bre“, was wörtlich „Brei“ bedeutet.
Wenn man dieses Bild vom Kjenndalsbreen 1995 anschaut, der weiß man warum.
Er schau wirklich aus wie Brei, den man irgendwo runterlaufen lässt.
Quelle
www.ajb-hennings.de/norwegengletscher .


Im Jahre 2000 schon wieder etwas geschrumpft(Quelle:

http://users.utu.fi/vesoik/photo_album/norja2000/index.html )

Der Brigsdalsbreen stieß auch ganz schön vor


Infos dazu:
http://webben.nve.no/hydrologi/bre/engelsk/briksdalsbreen.htm (Englisch)

Hier ein kleiner,schöner Seitenarm des Josdedalsbreen mit dem klangvollem Namen: Melkevollbreen


und von Ferne (Seepegelhöhe 33m ü.NN)

Ein weiterer Gletscher im gleichem Tal, der fast nur durch Eislawinen gespeist wird
http://www.natur-wetter.de/assets/images/GEis-B7g.jpg

Der Boyabreen bei Fjaerland hat wohl aufgrund der Südseitigen Lage mit am meisten geschwitzt.
Mitte der 90´er

Schöne Eisabbruchkante im unteren Teil
(Quelle: www.touristphoto.no
http://www.fjaerland.org/about.html )


Ein deutlicher Unterschied zwischen August 2000 (nur wenige, frische Spuren von Eislawinen)

und Juni 2003 ist erkennbar.

Der Nigardsbreen. Im Josdedal

Moränenlandschaftstechnisch schön zu erkennen der maximale Vorstoß um 1750

Quelle und weitere Bilder vom Nigardsbreen:
www.jostedal.com/natimg8.htm

Frontpositionsänderungen der letzten Jahre einiger Gletscher des Jostedalsbreen und im Jotunheimen (Diese eher abnehmend, da weiter östlich gelegen)

Zahlen dazu und Messungen (Frontpossition/Massebalance) an anderen Norwegischen Gletschern gibt es hier

http://www.nve.no/modules/module_109/publisher_view_product.asp?iEntityId=1617#Results
http://webben.nve.no/hydrologi/bre/engelsk/prosjekt_eng.htm

Hier Vergleichsbilder des Bergsetbreen

1974 (leider seitenverkehrt, Quelle: http://pub3.sgu.se/hotell/progeo/news/97_1/geojoste.html )


Bis Mitte 90´er ist er ganz schön vorgerumpelt (Quelle: www.jostedal.com )


und Juni 2003 (leichter Rückgang, optisch an der Front etwa 50m)

Viele weitere, schöne, allgemeine Norwegenbilder gibt´s hier zu sehen
http://www.touristphoto.no/default.htm

Was mich interessieren würde, was die Ursache (Großwetterlage) für die Zunahme der Gletscher in Norwegen (Schweiz) war/ist.
Lag es an den vielen milden Wintern bei uns, die dann bedingt durch die Westdrift in den Bergen Norwegens reichlich Schnee brachten?
(Der ein oder andere Link ist in Englisch und "mei Inglisch is nod werri gudd", so daß mir die nicht viel helfen))

So, ich hoffe, ich hab nix vergessen und die Bilder geben einen kleinen Einblick zur Lage der letzten Jahre.
Man sieht, obwohl es in den 90´ern hier überdurchschnittlich warm war, wuchsen im Norden, gar nicht so weit weg von uns, die Gletscher.
Für die Schweiz hab ich nicht sonderlich viel Infos gefunden bezüglich Frontmessungen, Massebilanz.
Kennt da von Euch jemand eine informative Seite?

Bei Interesse könnte man es auch im Vertiefungsforum weiter diskutieren. Ich werde die Fragen dort auch noch mal rein setzten.

Auf bessere Zeiten in den Alpen hoffend

Grüße
Christoph
.

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