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Wetterzentrale Forum Archiv 2006 3. Quartal

ALLGEMEIN: Wetterradar + Vogelschwärme

Geschrieben von: Apus (RLP, Deutsche Weinstrasse, Pfalz, 160m)
Datum: 8. August 2006, 16:18 Uhr


Dem Artikel
http://www.davvl.de/Volu/2000/00-2,%20Ruhe.pdf
ist folgendes zu entnehmen:

"Aufbereitete Daten aus dem Wetterradar-Verbundsystem des Deutschen
Wetterdienstes liefern neben der meteorologischen Information auch
Clutterinformation, die auch Vogelkonzentrationen enthalten kann. Am
Beispiel einer Überlagerung von Satellitenbild und Radarcomposit
werden die Clutterstrukturen sichtbar, die nicht von Hydrometeoren
verursacht sein können.

Das Angebot der operationell erstellten Produkte aus dem
Wetterradar-Verbund umfasst auch ungefilterte Daten einzelner
Sensoren. Da Wetterradargeräte aber Volumenscans durchführen, werden
nur hohe Vogeldichten erkannt, z.B. Luftinsektenjäger wie Schwalben
und Mauersegler. Vogelschwärme von Großvögeln erreichen in der Regel
nicht die erforderliche hohe Volumendichte und werden demzufolge nicht
von den Wetterradargeräten erfasst. Weitere Analysen werden zeigen
müssen, ob sie flankierend zur Vogelzugerfassung eingesetzt werden
können."

Es wäre also zu prüfen, ob massenhafte, meist schlechtwetterabhängige Migrationen von Mauerseglern (dort aber aus bestimmten verhaltensbiologischen Gründen nahezu aussschließlich der Nichtbrüteranteil der Population) als "Störsignaturen" auf dem ungefilterten Radarsignal erscheinen.

Das belgisch/niederländische ROBIN-Radar (ich glaube, es wird in beiden Ländern verwendet, bin mir aber nicht sicher - es ist wohl eine militärische Anwendung zur Minderung von Vogelschlag an Jets) registriert wohl Massenbewegungen von Apus apus im Kontext von bestimmten Wetterlagen.

"Sent: Monday, June 12, 2006 11:59 AM
Subject: [Belgian_birds] Gierzwaluwen op radarbeelden BAF
Hoi vogelaars, Gedurende de maand mei en begin juni was er op radar ROBIN van de BAF niet veel vogels te bespeuren op geringe hoogte maar dit veranderde sinds vorige week. Rond 22 uur tot 04 uur in de morgen kregen we op het scherm een
birdintensity (BI) van 5 tot 6 op een schaal van 8 en dit tot een hoogte van om
en bij de 1,5km. De radarspecialist (Hans Van Gasteren) van de RNAF
gecontacteerd. Dit fenomeen is ook op hun radarbeelden waar te nemen. Het
bebreft vooral Gierzwaluwen die in grote getale in de lucht slapen en dit op
grote hoogte.

We hebben weer iets bijgeleerd

Groeten
Peter Bellen"

Da der Mauersegler einer der häufgisten Brutvögel im Großstadtbereich ist und dort im Altstadtbereich (noch) vieltausendfach brütet, ist zu erwarten, daß sich bei "schönem Wetter" zum Teil zigtausende Mauersegler zum Nächtigen in Höhen von ca. 1700 Metern aufhalten. Es wäre nicht verwunderlich, wenn man diese Vorgänge mit dem C-Bandradar des DWD obligat darstellen kann. Was das niederländische Militär mit ihrem Dopplerradar so alles findet, kann man hier nachlesen:

http://www.martingrund.de/apus/texte/buurma.pdf

Ich glaube nicht, daß die mysteriösen "Fehlechos" dieses Jahres ihre Ursache in massenhaften Mauerseglervorkommen haben. Aber da im Kontext von bestimmten Wetterlagen zigtausende von Mauersegler zum Teil in sehr großen Höhen wandern und wie schon angeführt obligat in ca. 1700 Metern Höhe übernachten, sollte man künftig diesen zoologischen Faktor bei der Interpretation von "merkwürdigen" Radarechos im Auge behalten. Dies betrifft aber zuerst die Rohdatenaufbereitung, kenne mich mit der ganzen Radartechnologie natürlich überhaupt nicht aus und gebe hier nur ein kleines Statement als ornithologisch Interessierter ab... ;-)

Typischerweise wären größere "Mauerseglerechos" in den Rohdaten des Wetterradars ab der großen Ankunftswelle der Nichtbrüter zu erwarten, das ist ca. ab Ende Mai bis Ende Juli, in der Nacht bei Flughöhen zwischen 1000 und 2000 Meter. Typisch wären auch Großschwärme z.B. an der Forderseite markanter Schlechtwetterfronten im Rahmen einer sog. "Wetterflucht".

Für weitere sachdienliche Hinweise von Wetterradar-Spezialisten bin ich sehr dankbar!!

Gruss
Martin

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