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Wetterzentrale Forum Archiv 2004 2. Quartal

ALLGEMEIN: Bericht zum Uetersen-Tornado vom 10.08.1925

Geschrieben von: Andreas (35 Km östlich von Hannover)
Datum: 11. Juni 2004, 19:21 Uhr



Als in Uetersen die Welt unterzugehen drohte

Am 10. August 1925 verwüstete eine Windhose Uetersen und die Gemeinden Neuendeich, Heidgraben und Esingen. Am Mittwoch wurden Uetersen und die Umlandgemeinden von einer Unwetterkatastrophe heimgesucht. Vor fast genau 79Jahren fegte schon einmal eine Windhose über die Rosenstadt hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung.
Von Sebastian Kimstädt
Uetersen. Der 10. August 1925 war ein schöner Tag. Die ganze Stadt freute sich auf den Gildeball. Doch von einer Minute auf die andere schlug das Wetter um. Der Himmel verfinsterte sich und eine Windhose fegte über die Rosenstadt hinweg. Innerhalb von nur 15 Minuten schlug der Wirbelsturm eine Schneise der Verwüstung durch Uetersen, Neuendeich, Heidgraben und Esingen. Ein Toter, ein Schwerverletzter, zwölf leichtverletzte Personen und Sachschaden in Millionenhöhe waren das Resultat. Der Redakteur der Uetersener Nachrichten, Emil Buchholz, vermeldete damals unter der Überschrift Schwere Unwetter-Katastrophe in Uetersen und Umgegend: Wir stehen heute unter dem Eindruck eines gewaltigen Naturereignisses, einer Katastrophe, wie sie seit Menschengedenken unsere engere Heimat nicht betroffen hat. Und weiter schrieb Buchholz: So dass man den Eindruck hatte, als wäre die Hölle losgelassen und der Weltuntergang nahe
Margarethe Hoffmann erinnert sich noch gut an diesen schwarzen Montag. Sie habe sich gerade für den Gildeball fein gemacht, als die Katastrophe hereinbrach. Es fing kräftig an zu ballern. Ich bin sofort in das Erdgeschoss gerannt und hinter mir kam das Wasser die Treppe hinabgelaufen, erzählte die heute 103 Jahre alte Uetersenerin vor drei Jahren den Uetersener Nachrichten.
Die Windhose hatte das Dachihres elterlichen Hauses - der Holzhandlung Kahlke - am Gro-×en Sand abgedeckt. 23 Jahre alter Mannstarb bei dem Unwetter
Das Elternhaus von Margarethe Hoffmann war nicht alleine dem Sturm zum Opfer gefallen. Der Zyklon deckte Dächer ab, drückte Wände und Fensterscheiben ein, brachte Wände zum Einsturz, zerfetzte Stromleitungen, zerstörte den Schornstein der Lederfabrik Testorf am Katzhagen und forderte sogar ein Todesopfer.
Am Haus der Familie Lösche an der Kleinen Twiete riss der Wind den Schornstein um. Die schweren Ziegel durchschlugen das Dach und begruben den 23 Jahre alten Edmund Lösche unter sich. Der junge Mann starb später im Krankenhaus. Die Kosten seiner Beerdigung übernahm die Stadt. Der Magistrat war bereits am Tag nach dem Unwetter zu einer Sondersitzung unter Leitung des stellvertretenden Bürgermeisters Ernst-Ladewig Meyn zusammengekommen. Au×er der Übernahme der Bestattungskosten beschlossen die Stadtväter die Einrichtung eines Hilfsausschusses und die Bereitsstellung von 25 000 Reichsmark Soforthilfe. Das war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Schäden beliefen sich nach Schätzungen von damals auf mindestens 2,6 Millionen Reichsmark. Auch die gro×e Landespolitik interessierte sich für Uetersen. Regierungspräsident Johannsen kam aus Schleswig. Zusammen mit Landrat Niendorf machte er sich zwei Tage nach dem Unwetter in Automobilen ein Bild von der Lage. Er sicherte Hilfe zu.
Schwere Schäden richtete der Sturm auch in Neuendeich an. Dort hatte sich der Zyklon gegen 19 Uhr auf der Elbe in Höhe der Pinnaumündung gebildet und war dann mit ungeheuerer Wucht Richtung Uetersen gezogen. Erst in Ahrenlohe lie× die Kraft der Windhose nach, dort löste sie sich auf.
In der Chronik von Neuendeich berichtete Magda Schulz über das Unwetter: Wir waren gerade mit Pferd und Wagen bei der Feldarbeit als unsere Stute wurde immer unruhiger. Sturm zog auf und es wurde immer ungemütlicher. Wir jagten so schnell wie nie zuvor nach Hause. Kaum dort angekommen brach der Sturm los.
Der starke Wind brachte die Bauernhöfe von Jacob Münck und Peter von Leesen in Westerort zum Einsturz. Auch beim Sturm in diesem Jahr wurden in Neuendeich zwei Höfe verwüstet. Auf den Hofstellen der Familien Stahl und Kahlke wütete der Sturm besonders stark. Damals wie heute glichen sich die Bilder. Wie damals bei Familie Leesen war bei Familie Stahl der Dachstuhl zusammengebrochen. Das feuchte Reet lag zwischen den Trümmern des ehemaligen Pferdestalls. Der Feuerwehr des Dorfes und aus Uetersen gelang es noch, die sechs Pferde unverletzt zu retten. Die Feuerwehr war auch vor 79 Jahren gefragt. Über Dampfsirenen wurden die Blauröcke damals alarmiert. Stundenlang mussten Bäume und Trümmer beseitigt und hunderte Keller ausgepumpt werden.
Schaulustige kamen ausBremen und Flensburg
Weil 1925 Film und Fernsehen die Bilder der Katastrophe noch nicht in die ganze Republik übertrugen, kamen in den Tagen nach der Katastrophe tausende Schaulustige in die Rosenstadt. Die meisten kamen aus Hamburg, aber selbst aus Bremen und Flensburg reisten die Menschen an. Die Einwohner fühlten sich entsprechend gestört. Sie waren damit beschäftigt, die gröbsten Schäden zu beseitigen. Vor allem Glas und Dachpappe waren begehrte Baustoffe. Die Anzeigenspalten der Uetersener Nachrichten aus der Zeit sind voll mit Annoncen von Glasern und Tischlern. Um Wucher zu verhindern, hatte die Stadt allerdings feste Tarife für das Glas beschlossen. Es dauerte noch Monate bis die Schäden beseitigt waren. Heute erinnert noch ein Gedenkstein im Rosarium an die Windhose.

Quelle: http://www.uena.de/news/archiv/?id=1420246&dbci=1

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