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Wetterzentrale Forum Archiv 2003 1. Quartal

BEOBACHTUNG: Wassertromben

Geschrieben von: mesoscale
Datum: 23. Februar 2003, 18:10 Uhr


Heute mal etwas über die kleinen oder großen engen oder weiten Rüssel über den gewässern.
Sie werden belächelt als die kleinen Brüder der Tornados und ich persönlich habe auch bei Freunden folgende Antworten gehört über Wasserhosen ( obwohl ich persönlich diesen namen abschaffen würde...er zieht diese gefährlichen Rüssel ins lächerliche):
- kleine Wirbel die wenig gefährlich sind und niemals so stark sein können wie echte Tornados.
- eine Wasserfontäne ( von einem echt Wetterinteressierten!!!!)
Nun, sie können auch kleins ein, doch sie können auch gefährlich groß werden.
In diesem bericht möchte ich näher auf die Waterspouts in den key West eingehen, die wohl am Häöufigsten und Berühmtesten sein dürften.
Man unterscheidet unter "tornadoartigen Wasserhosen" und "schön Wetter Wasserhosen"
Die kleinen und schwächere Wasser hosen bilden sich aus den kleinen Aufwinden von regenschauern( natürlich ein weit komplexeres Verfahren, doch bei weitem nicht so undurchchaubar wie bei Tornados).Landtornados z.B. formen sich eher in der nähe von downwind-regionen.
Hier mal ein Photo eines dust devils, der sich entlang der updraft formt. So kann man sich des auch über Wasser vorstellen:

Waterspouts formen sich gewöhnlich von der Wasseroberfläche nach oben, während sich Tornados eher von oben nach unten bewegen( obwohl manchmal auch zuerst unten an der Oberfläche Verwirbelungen zu erkennen sind.)
In Amerika hat man für diese Wasserwirbel 5 Stadien eingeführt, wobei ich diese leider nicht verdeutschen kann und auch nicht möchte:

1.) DARK SPOT: Auf dem wasser bildet sich ein großer circularer Fleck aufgewühlten Wassers ( meist dunkler als das umgebende Wasser)

2.)SPIRAL: Um diesen dunklen Fleck beginnen sich nun spiralfömrige Kreise abzuzeichnen.

3.)SPRAY RING: Die Kraft des Windes reicht nun aus am Rande das Wasser nach oben zu ziehen und einen Kranz aus aufgewühltem Wasser erscheinen zu lassen.

4.)SPRAY VORTEX: Der gesamte Rüssel wird nun sichtbar und kann nun einige Sekunden bis zu Minuten über das Wasser tanzen. Dabei kann er sich aber nicht allzuweit von der updraft entfernen und ist sehr zerbrechlich.

5.)DECAY: Der Wirbel zerfällt. Die updraft wird abgeschnitten oder andere ungünstige Einflüsse lassen den Wirbel in sich zusammenfallen.
Lange und weithin sichtbare Wasserhosen formen sich leicht bei leichter Windscherung und eher trockenerer Luftmasse.

Der im Hintergrund zu erkennende Regen zeigt an, dass der Wirbel bald zusammenbrechen wird, da nun beginnt sich die downdraft durchzusetzen.
Bis zu 95% aller Wasserhosen sind mit Cumulifeldern verbunden.Der Grund ist der, das bei einzelnen Cumuliwolken die updraft meist zu kurz dauert( 15min.) um einen Wirbel auszubilden, während bei ganzen feldern sich die updrafts sogar vereinigen oder gegenseitig stützen können.
Von den 400-500 jedes Jahr gesichteten Wirbeln sind die meisten von August bis Septemebr anzutreffen.Die neusten wissenschaftl. Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Wasserhosen bei einem Luftdruck von 1010-1015hPa, Temp. zwischen 21 und 24°C und leichten Bodenwinden erzeugt werden.

Dagegen sind tornadoartige Wasserhosen meist größer, langlebiger und drohender.Stärkere Wirbel in der Atmosphäere( wie z.B. bei Annäherung eines trop. Systems) verursachen eher tornadoartige Wasserhosen.
Sie bewegen sich meist mit bis zu 50km/h übers Wasser, während die schönwetter-Hosen sich nur wenig bewegen( wegen dem fehlenden Bodenwind).
Was ich persönlich auch nicht gewusst habe ist, dass beinahe alle Tornados, die über die Key herfallen über Wasser gebildet werden und dort Tornadostärke erreichen.
Dies hier ist ein beispiel eine tornadoartigen Wasserrüssels:

Der Rüssel wird, im Gegensatz zum Vorhergehenden, durch unterschiedliche Winde regelrecht auseinandergezogen.
Insgesamt gesehen dauern die meisten Tornados nicht länger als 10 Minuten, doch sind manchmal auch 30 min zu beobachten.Die meisten sind relativ schwache Wirbel, doch es gibt auch welche mit bis zu 280km/h ( Rekord war bei 351km/h...halt eine kleine unbedeutende Wasserhose!!!!)
Nur 30% aller Wasserhosen sind mit eigentlichen gewittern verbunden, die meisten eher nur mit Cumulifeldern, die leichten regen erzeugen.Solcher Felder entstehen im späten Vormittag oder späten Nachmittag.Desweiteren kann der outflow von abendlichen Landgewittern über Wasser zu Hebung führen und die Konvektion anfachen...neue Gewittermöglich oder neue Cumulifelder möglich mit der Chance eines waterspouts.
Manchmal können antürlich auch mehrer in eienr Reihe entstehen, die dann nebeneinander umherwirbeln und den Schiffsfahren Angst bereiten:

Nochmals zur Übersicht ( aus einem storm spotter Heft rasugenommen).

Dies ist ein typischer "schönwetterrüssel". Keine allzustarken luftbewegungen sind hierbei zu erkennen.
Nun ein Beispiel eines Tornados, der wirklich durch seine Schönheit, aber auch durch seine Gefährlichkeit Aufmerksamkeit verdient.
Am 6. July 2001 entstand am Myrtle Beach am Ende einer squall line eine gewaltige Gewitterzelle.

Dabei bildete sich direkt am Stran die gefährliche Konstellation aus, die die Enstehung des Tornados ermöglichte. Dabei zeigte sich folgendes typische Wolkenbild:

Kurz später kam bereits diese Meldung heraus:

Gleich mehrere Wirbel bildeten sich aus und zogen entlang der Küste von North Carolina, Myrtle Beach:

Schließlich entwickelte sich aber in der nähe des Strandes der größte beider Wirbel..ein Monster:

Zuerst blieb er über Land...

Doch er näherte sich immer weiter dem Wasser:

Und letztendlich erreichte er den Strand...
Das Wasser wurde regelrecht in den Rüssel reingesaugt.Viele Wasserhosen haben die gleiche Kraft wie dieser Wirbel, was bewiesen war und ist:

Spätestens jetzt war niemand mehr im Wasser:

Immer gewaltiger:




( Bilder geschossen von einem lokalen Fernsehteam!)
Mir ist klar, dass dies eher ein Tornado war, der sich in einen Wasser"tornado" umwandelte, doch der Wirbel behielt seine Kraft bei und war ein starker Wasserhoserich.
Um nun nochmals zu den Wasserhosen zurückzukehren...sie enstehen meist aus solch unscheinbaren Wolkentürmen:

Sie können verschiedenste Formen annehmen und sich auch schnell fortbewegen..

Was ich versuchen möchte hierr deutlichst zu sagen ist, das in manchen Fällen zwischen einem Tornado und einer Wasserhose KEIN Unterschied besteht:



Sie können auch Schiffen gefährlich werden:

Meist wird das Ende solch eines Sturmes durch beginnende Regenstreifen angezeigt.
Doch wie alle unwetterartigen Wetterereignisse können auch diese schön aussehen.

Zusammenfassend gesagt darf man diese oft nur belächelten Wirbelwinde NICHT unterschätzen. Klar, sie sind oft kleiner, schwächer und kurzlebider als die Landbrüder, doch die Gefahren sind immer gegeben durch solche Starkwinde.
Zuletzt noch eine Wasserhose, die Miami 1997 heimsuchte.Schaut euch die Bilder an und die Gewalt:

Er zog durch die downtown von Miami.
Hier geht er an Land:


Er wurde als F2 geführt:

Grüßle, Helge

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